»Denn der Aufseher muss untadelig sein als Gottes Verwalter, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, enthaltsam, der an dem der Lehre gemäßen zuverlässigen Wort festhält, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.« (Titus 1,7-9)
Die emotionale Kompetenz des geistlichen Leiters umfasst nicht nur die Selbstreflexion und Selbstregulation der Gefühle mit Hilfe des Heiligen Geistes, sondern äußert sich auch in dem konkreten Umgang mit Menschen, den Paulus im o. g. Andachtstext beschreibt. Ein geistlicher Leiter soll von dem Interesse geleitet sein, Menschen zu fördern und zu stärken und nicht primär dem Geld nacheifern. Ich glaube, dass dieses Wesensmerkmal, die Mitarbeiterorientierung der Führungskraft, besonders in der heutigen gesellschaftlichen Situation, eine sehr wichtige Rolle spielt. Wenn Führungskräfte sich einzig und allein von ihrem eigenen Wunsch nach Karriere oder Gewinnmaximierung leiten lassen, werden sie niemals gute Leiter im Sinne Gottes sein, dem es immer darum geht, dem Einzelnen beizustehen, das Beste aus sich herauszuholen.
Geistliche Leiter sollen in der Lage sein, ein Wir-Gefühl zu schaffen und den Einzelnen das Gefühl geben, dass sie willkommen sind. Wichtig dabei ist jedoch immer, dass zu aller erst Jesus Christus willkommen ist, d. h. ein geistlicher Leiter soll nicht entscheiden und reden, was die Einzelnen wünschen, sondern was Christus wünscht und was somit für den Einzelnen das Beste ist. Wenn ein geistlicher Leiter im Sinne des Paulus das Ziel erreichen kann, ein geistlicher Vater zu sein, werden sich Menschen dort wohl- und zuhause fühlen, wo der geistliche Leiter ist. Ein geistlicher Leiter sollte keine Intrigen lieben oder schmieden, sondern er sollte davon bestimmt sein, das Gute zu wollen, zu lieben und zu sprechen. Er sollte besonnen sein, d. h. sich seiner eigenen Ressourcen und die derjenigen, die ihm anvertraut worden sind, bewusst zu sein und dabei beständig mit Gottes Handeln zu rechnen und auf Gottes Kraft zu vertrauen.
Ein geistlicher Leiter sollte die Gerechtigkeit, die Heiligkeit Christi repräsentieren, nicht weil er aus sich heraus so vollkommen ist, sondern aufgrund des starken Glaubens an die Tatsache, dass Christus die Gerechtigkeit und Heiligkeit des geistlichen Leiters ist. Ein geistlicher Leiter sollte enthaltsam sein, denn die Enthaltsamkeit führt zu der Entwicklung von Kultur (wie es Sigmund Freud zu sagen pflegte). Mit anderen Worten, die Enthaltsamkeit ermöglicht es, nicht vom Ziel abgelenkt zu werden, sondern alle Energien auf das zu setzen, was wirklich zählt und was neues Leben und neuen Glauben generiert.
Wichtig ist im Zusammenhang mit der „Kernkompetenz“ des geistlichen Leiters – der Erkenntnis -, dass ein geistlicher Leiter wirklich in guter christlicher Lehre verwurzelt ist und zwar nicht oberflächlich, sondern tief. Ein geistlicher Leiter gründet sich in allem auf das Wort Gottes und er ist in der Lage, selbst zu lehren und zu ermahnen. Hierbei kann er nur in Abhängigkeit von dem Heiligen Geist wirken, denn es ist die primäre Aufgabe des Geistes, der Sünde zu überführen. Der geistliche Leiter muss den Mut und die Kraft haben, zu lehren, zu der Lehre zu stehen und auch mit Widerspenstigen umgehen zu können und zu ermahnen. Dazu braucht er eine intensive Beziehung zum Geist Gottes, denn ohne ihn kann der geistliche Leiter nichts tun. Er braucht gerade in Bezug auf die Ermahnung sehr viel Sensibilität und Weisheit von Gott, die dieser gerne gibt, wenn wir ihn bitten. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Enthaltsamkeit, geistlicher Leiter, geistlicher Vater, Lehre, Mitarbeiterorientierung, Wir-Gefühl
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