Bevollmächtigung durch Handauflegung


»Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.« (Philipper 4,9)

Paulus bezeichnet sich im Philipperbrief unumwunden als Vorbild für die Gläubigen. Er ist Lehrer und Hirte, Leiter und Fürsorger. Paulus ist ein wahrer Diener, der sein Leben einsetzt, um seine Glaubensgenossen auf dem Weg zum Ziel zu begleiten und zu unterstützen. Im heutigen Andachtstext verweist Paulus noch einmal auf seine Vorbildfunktion und lädt erneut zum Imitatio-Prinzip ein: die Glaubensgenossen sollen von Paulus lernen und danach handeln.

Man könnte den heutigen Andachtstext fast schon als pädagogisches Konzept betrachten, in dem beschrieben wird, was für das Lernen eines Gläubigen wichtig ist. Lernen bedeutet demnach, zu hören und zu sehen, d. h. mit den eigenen Sinnen etwas wahrzunehmen. Diese Wahrnehmung wiederum bezieht sich nicht allein auf einen kognitiven Inhalt, sondern sie ist eine Teilhabe an dem Leben eines Lehrenden. Dieses Prinzip hat Paulus von dem größten Lehrmeister Jesus Christus gelernt. Jesus ließ seine Jünger an seinem Leben teilhaben, so dass sie ganzheitlich lernten, wie ein vollmächtiges Leben in Gottes Gegenwart geführt werden kann.

Lernen bedeutet also hören und sehen, bedeutet Teilhabe am Leben und Wirken des Lehrenden. Interessanterweise weist Paulus jedoch auf einen meines Erachtens entscheidenden weiteren Punkt hin. Lernen bedeutet nicht nur sehen und hören, d. h. Teilhabe im Sinne der Beobachtung sondern auch Teilhabe im Sinne des „Begabtwerdens“. Paulus verweist die Glaubensgenossen auf das, was sie „empfangen“ haben. Empfangen geht über das Wahrnehmen und Beobachten hinaus und schließt die Weitergabe von Fähigkeiten, Potentialen und Ressourcen mit ein. Paulus sieht seine Aufgabe nicht allein darin, Vorbild zu sein und zu lehren, sondern auch Haushalter der Gnadengaben insofern zu sein, als dass er unter Handauflegung für die Bevollmächtigung mit dem Heiligen Geist bittet.

Paulus weiß genau, dass es nicht allein reicht, ein Vorbild zu sein und zu lehren, sondern dass die Glaubensgenossen ohne das inwendige Wirken des Geistes, ohne die Geistesgaben und ohne die Früchte des Geistes keine wirkliche Veränderung erfahren werden. Ein Lehrer im Sinne Christi ist also immer auch ein Bevollmächtigender im Sinne von „Empowerment“. Dies nicht im abstrakten Sinne der Welt, sondern im konkreten Sinne des Geistes Gottes. Paulus selbst sowie das gesamte Neue Testament legen davon Zeugnis ab, dass Leiter unter Handauflegung für die Bevollmächtigung mit dem Heiligen Geist gebetet haben.

Was dennoch zu beachten ist, ist die Tatsache, dass auch das Empfangen in einem Handeln münden muss, welches bedeutet, dass wir – ebenso wie wir Wissensinhalte lernen können, ohne sie zu tun – Begabung und Bevollmächtigung des Geistes erhalten können, ohne sie einzusetzen. Deshalb gehört es zu einer guten Leiterschaft dazu, neben der Lehre und der Bevollmächtigung, zur Anwendung dieser beiden Aspekte anzuhalten.

Letztlich erinnert Paulus daran, was neben der Vorbildfunktion, der Lehre und der Bevollmächtigung eigentlich entscheidend für das Gelingen in jeglicher Hinsicht ist: die Gegenwart des Gott des Friedens im Leben eines Gläubigen! Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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