Das Leben als Opfergabe


»Wenn ich aber auch als Trankopfer über das Opfer und den Dienst eures Glaubens gesprengt werde, so freue ich mich und freue mich mit euch allen. Ebenso aber freut auch ihr euch, und freut euch mit mir!« (Philipper 2,17-18)

Um den heutigen Bibeltext verstehen zu können, müssen wir den Hintergrund dessen kennen, worauf Paulus hier Bezug nimmt. Paulus spricht von einem Trankopfer und meint dabei eine besondere Regelung des mosaischen Gesetzes, welche vorsah, dass zu dem morgendlichen und abendlichen Sündopfer parallel Wein als Trankopfer ausgegossen werden sollte (2. Mose 29,36-41). Das heißt, zeitgleich mit dem eigentlichen Sündopfer – ein einjähriges Lamm – wurden Öl und Wein als Opfergaben ausgegossen. Das Lamm als Sündopfer war somit das Hauptopfer und das Öl und der Wein waren Nebenopfer.

In Bezug auf sich selbst meint Paulus mit dem Trankopfer das Ausgießen seines eigenen Blutes, denn es war zu erwarten, dass er in naher Zukunft hingerichtet werden würde. Das Bemerkenswerte an diesen Versen ist, dass Paulus zwar bereit ist, sein eigenes Leben für Christus und für die Verkündigung des Evangeliums zu opfern, er dieses Opfer seines eigenen Lebens aber nur als Nebenopfer ansieht. Als Hauptopfer seines Lebens sieht Paulus den Glauben der Menschen an, denen er Zeit seines Lebens gedient hat. Paulus sieht sein Lebenswerk, sieht konkret diejenigen Menschen, die er zu Christus geführt, die er gelehrt und denen er gedient hatte, als das eigentliche Gott wohlgefällige Opfer an.

Dieser Dienst am Königreich Gottes, am Evangelium, an den Menschen und vor allen Dingen dieser Dienst für Christus, ist ihm weit wichtiger als sein eigenes Leben. Er ordnet sein Leben so sehr seinem Auftrag unter, dass er noch nicht einmal sein Sterben für Christus als eine herausragende, großartige Sache, als ruhmreichen Märtyrertod sieht. Paulus rühmt sich allein in Christus und in den Werken, die Christus durch ihn hervorgebracht hat. Paulus sieht seinen Märtyrertod eher als Vervollkommnung seines eigentlichen Dienstes an, als ein Trank- und Nebenopfer, was das Hauptopfer seines Lebens des Dienstes vollendet.

In allen Briefen weist Paulus nicht die von uns so häufig erwartete Demut im Hinblick auf seinen Dienst auf, sondern er will in jedem Fall, dass Christus durch sein Leben verherrlicht werde, dass er den Lauf vollende, dass er den Sieg erringe. Er strebt mit all seiner Kraft an, dass keine Minute seines irdischen Lebens verloren gehe, sondern dass Christus in allem groß gemacht werde. Er verbindet mit seinem Trankopfer keine Trauer, sondern sogar die Freude, wie Christus durch die Kraft des Heiligen Geistes und durch die Gnade gehorsam bis zum Tod zu sein, denn wie der Meister so auch der Schüler.

Paulus ermahnt die Philipper sogar, sich mit ihm zu freuen. Mit ihm zu freuen für das Hauptopfer, welches das Lebenswerk des Paulus ist – begonnen und getragen durch und in Christus – und für das Nebenopfer, was das Hauptwerk vollendet durch die völlige Hingabe, selbst bis zum Tod. Die Adressaten seines Briefes waren Teil dieses Hauptopfers des Paulus, das dadurch hervorgebracht werden konnte, weil er sich selbst als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer hingab. In dem Brief an die Römer, Kapitel 12, ruft uns Paulus auf, es ihm gleich zu tun. Auch wir sind berufen, auf der Grundlage der Erlösung Werke hervorzubringen, die bereits vor Anbeginn der Zeit geschaffen wurden und welche somit als Hauptopfer Gott wohlgefällig sind. Darüber hinaus müssen auch wir bereit sein, ggf. das Trankopfer als Nebenopfer für Christus darzubringen. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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