»Ich aber habe es für nötig gehalten, Epaphroditus, meinen Bruder und Mitstreiter, euren Abgesandten und Diener meines Bedarfs, zu euch zu senden; da er ja sehnlich nach euch allen verlangte und er in Unruhe war, weil ihr gehört hattet, dass er krank war. Denn er war auch krank, dem Tode nahe; aber Gott hat sich über ihn erbarmt, nicht aber nur über ihn, sondern auch über mich, damit ich nicht Traurigkeit auf Traurigkeit hätte.« (Philipper 2,25-27)
In der gestrigen Andacht haben wir die beiden wesentlichen Aufgaben der Führung, Lokomotion (leistungserzeugung / Zielerreichung) und Kohäsion (Gemeinschaft / Zugehörigkeit / Einheit) behandelt. In dem heutigen Andachtstext werden wir im Detail in eine sehr persönliche und meines Erachtens auch bewegende Situation hineingenommen. Neben Timotheus nennt Paulus noch Epaphroditus als Mitarbeiter, den er ebenfalls gerne den Philippern als Unterstützung zusenden würde. Die weiteren Verse sind bewegend und erfüllt von Leidenschaft und herzlicher Liebe füreinander.
Epaphroditus sehnt sich nach den Philippern und war in Unruhe, weil die Philipper noch davon ausgingen, dass Epaphroditus krank war. Wie wir wissen, verfügten die Christen der damaligen Zeit nicht über die heutigen Möglichkeiten des Informationsaustausches, so dass es sehr lange dauerte, bis eine Nachricht sein Ziel erreichen konnte. Epaphroditus war in Unruhe, weil die Philipper noch immer in Sorge sein könnten. Was sagt dies über diesen Menschen aus? Anstatt sich um sich selbst zu sorgen, füllt es Epaphroditus mit Unruhe zu wissen, dass andere unnötig um ihn besorgt sein könnten. Dies spricht für eine sehr herzliche und hingebungsvolle Beziehung, wie wir sie vielleicht aus der Familie kennen. Zu wissen, dass sich die Ehefrau oder der Ehemann Sorgen macht, obwohl alles wohlauf ist, kann ziemlich zermürben.
Auf der anderen Seite spricht die Besorgnis der Philipper für Epaphroditus auch für ein herzliches und liebevolles Verhältnis von ihrer Seite. Sie nahmen an der Krankheit des Epaphroditus Anteil und trugen ihn wahrscheinlich in ihren Gebeten. Insgesamt weisen diese Verse des Briefes einen sehr persönlichen, liebevollen und von gegenseitiger Wertschätzung geprägten Charakter auf. Auch Paulus beschreibt seine Anteilnahme an der Krankheit des Epaphroditus, denn er freute sich über seine Heilung, während ein möglicher Tod des Epaphroditus zu Traurigkeit auf Traurigkeit geführt hätte.
Ich erinnere mich an die Nachricht von dem Tod eines ehemaligen Kollegen, der nur zwei Jahre seines Ruhestandes erleben durfte. Am Tag der Nachricht kamen mir Gedanken auf wie: „Kanntest Du diesen Mann überhaupt wirklich?“, „Was hat diesen Mann bewegt, woran hat er geglaubt?“, „Kannte dieser Mann die lebendige Hoffnung in Jesus Christus?“ etc. Welch ein Geschenk ist es doch, in einer liebevollen Gemeinschaft zu leben, welche sich interessiert, welche Liebe lebt und in welcher die Einzelnen einander besonders in schweren Zeiten tragen. Ich glaube, dass diese innigen Verse uns wieder sensibler machen für die Anliegen unserer Geschwister, und dass wir bei allen Herausforderungen eines sind, Familie, und gerade deshalb diese Herausforderungen meistern werden. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Beziehung, Liebe, Mitgefühl, Wertschätzung
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