Der Beistand des Geistes


»… denn ich weiß, dass dies mir zum Heil ausschlagen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi …« (Philipper 1,19)

Durch die Auseinandersetzung mit dem Philipperbrief ruft mich der Herr in eine immer tiefere Hingabe für die Verkündigung des Evangeliums. Es kommt mir so vor, als würde ich sehr viel Zeit mit diesem in Ketten gelegten Paulus verbringen und ihn beobachten, wie er voller Eifer die Briefe schreibt und selbst seinen Bewachern von Jesus Christus erzählt. Paulus wirkt wie ein unermüdlicher und unerschütterlicher Krieger, der sich unter keinen Umständen von seinem Ziel, dem Sieg, abbringen lässt. Ich empfinde, dass diese Briefe uns eine völlig neue, viel tiefere Dimension dessen beschreiben, was es heißt, eine Jüngerin, ein Jünger Jesu zu sein. Wunderbar ist dabei jedoch auch zu sehen, dass Paulus sich in diesem „Lauf“ immer in Verbindung und sogar in Abhängigkeit von seinen Glaubensgeschwistern sieht.

Obwohl im Gefängnis allein, weiß er sich von der Gemeinschaft getragen und er verdankt nach eigenen Angaben seine Kraft, seine Hoffnung und seinen Mut auch dem Beistand der anderen Christen, insbesondere durch deren Gebet. Vor allen Dingen jedoch bezieht Paulus seine Lebenskraft aus der Gegenwart des Heiligen Geistes in seinem Leben. An der heutigen Bibelstelle wird noch einmal deutlich, worin die Hoffnung und die Ermutigung des Paulus genau bestanden, was ihn eigentlich so unermüdlich und unerschütterlich sein ließ. Es lässt sich mit den ersten Worten aus Vers 19 zusammenfassen: „… denn ich weiß, dass dies mir zum Heil ausschlagen wird …“.

Paulus war der festen Glaubensüberzeugung und er erlebte es auch, dass die Situation, in der er sich befand, zu seinem Heil ausschlagen würde. Ist dies eine unbestimmte, vertröstende Hoffnung? Nein, weil er erlebt, wie Gott diese Situation zu seiner Verherrlichung nutzt! Dieser Glauben daran, dass Gott jede noch so widrige Situation gebraucht, ist an zwei Faktoren geknüpft, die Paulus im Folgenden nennt: „… durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi …“. Wie schon oben erwähnt, basierte die Unermüdlichkeit und Unerschütterlichkeit des Paulus darauf, dass er zum einen von Gebeten getragen wurde und zum anderen durch den Beistand des Geistes Jesu Christi. Der Geist ist der „Paraklet“, er ist der Tröster und unser Lehrer. Er verändert unser Denken und er erfüllt uns mit Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Hierin unterscheidet sich die Hoffnung der Christen von einer bloßen positiven Selbstinstruktion im Sinne von: „es wird schon besser werden“ oder „es wird schon einen Sinn haben“. Nein, die Hoffnung der Christen ist eine lebendige Hoffnung, die durch den Geist in unserem Herz ausgelöst wird und tatsächlichen(!) Frieden und tatsächliche Freude(!) sowohl in unseren Emotionen, also auch in unseren Gedanken bewirkt. Es ist kein Sich-Einreden, sondern eine Erfahrung, die aus der Führung und der Gegenwart des Geistes heraus erwächst. Für Paulus ist der Beistand des Geistes eine wahrnehmbare Realität und sowohl sein Denken als auch sein Handeln ist von diesem Geist bestimmt.

Wenn wir also so unermüdlich und unerschütterlich sein wollen wie Paulus, wenn wir wirklich alle Umstände mit den Augen Gottes sehen wollen, dann ist es unabdingbar notwendig – wie Paulus es selbst sagt – aus dem Geist zu leben. Der Geist Gottes ist eine Person, die zu uns spricht und die wir mehr und mehr kennen lernen können. Der Beistand des Geistes ist nicht abstrakt und unbestimmt, sondern konkret und erlebbar. Wir müssen aufhören, uns eine Hoffnung einzureden und Gott bitten, uns mit der lebendigen Hoffnung zu erfüllen. Alle mentalen Übungen ohne den Geist mögen vielleicht kurzfristigen Erfolg haben, aber sobald die wirklichen Stürme kommen, fällt das Kartenhaus in sich zusammen.

Wenn wir jedoch auf dem Fundament des Wortes Gottes (der Geist wirkt immer im Zusammenhang mit dem Wort) bauen und sensibel und offen werden für das Wirken des Geistes, werden wir merken, dass uns die wahre Hoffnung erfüllt. Das Geheimnis dabei ist, dass wir uns ohne den Geist nur eine Veränderung der Umstände wünschen, aber der Geist tatsächlich unser Herz verändert. Dies ist eine Herausforderung, der sich nicht alle Menschen stellen wollen und die bedeutet, dass wir unsere Vorstellungen loslassen müssen.

Der Weg des Geistes ist immer auch ein Weg des Kreuzes, auf dem Wünsche, Rechte, Pläne und Gewohnheiten sterben müssen. Nur dadurch gelangen wir zu der wahren Quelle des Lebens, aus der wir in allen Umständen schöpfen können. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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