Der Leiter als Vater


»Titus, meinem echten Kind nach dem gemeinsamen Glauben: Gnade und Friede von Gott, dem Vater, und von Christus Jesus, unserem Retter!« (Titus 1,4)

Paulus schreibt u. a. einen Brief an seinen Mitarbeiter Titus, um ihn für seine Führungsfunktion zuzurüsten und ihm wichtige Hinweise für seinen Dienst auf Kreta zu geben. Zu Beginn seines Briefes zeigt Paulus dabei zwei wichtige Merkmale auf, die ein geistlicher Leiter mitbringen muss: Erkenntnis und Gottseligkeit, wobei sich die Erkenntnis auf die Gaben des Geistes und die Gottseligkeit auf die Früchte des Geistes bezieht. Modern würden wir von fachlichen Kompetenzen auf der einen Seite und persönlich-sozialen Kompetenzen auf der anderen Seite sprechen. Ein geistlicher Leiter ist ein Vorbild in der Erkenntnis (im Vertikalen) und in seinem Lebenswandel (im Horizontalen).

Paulus weist Titus durch seine Worte im heutigen Andachtstext darauf hin, wie ein geistlicher Leiter im Bereich der persönlich-sozialen Kompetenz oder der horizontalen Ebene der Gottseligkeit sein sollte: er sollte diejenigen, für die er verantwortlich ist, wie ein Vater behandeln. Paulus sieht Titus wie seinen eigenen Sohn nach dem gemeinsamen Glauben. D. h. hohe geistliche Leiterschaft ist Vaterschaft und ausgehend von Paulus gibt es zwar viele geistliche Leiter, aber wenig geistliche Väter. Ich glaube, dass es einen Reifungsprozess von einem Leiter zu einem Vater gibt. Paulus war für Titus nicht nur Leiter, sondern auch wie ein Vater, er lebte Titus somit diese Form der Leiterschaft vor.

Des Weiteren erinnert Paulus Titus, wovon der geistliche Dienst grundsätzlich abhängig ist: von der Gnade und dem Frieden von Gott, dem Vater. Ein geistlicher Leiter muss wissen, dass er in allem, was er tut, von Gottes Gnade abhängig ist und sich nicht auf seine eigene Kraft, sondern nur auf Gottes Gnade verlassen darf. Darüber hinaus soll der Leiter sich nicht von der Hektik, dem Stress und den Anforderungen übermannen lassen, sondern vielmehr in jeder Lage von dem Frieden Gottes bestimmt sein, der alle Vernunft übersteigt. Ich glaube, dass die Hinweise des Paulus an Titus in der heutigen Zeit relevanter sind denn je. Wer auf seine eigene Kraft vertraut, anstatt auf Gottes Gnade und wer sich von dem Stress der Anforderungen anstatt von Gottes Friede bestimmen lässt, läuft Gefahr, auszubrennen oder depressiv zu werden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass man anhand des Titusbriefes ein sehr professionelles und fruchtbares Führungskräftetraining anbieten kann, denn er beinhaltet alle wichtigen Aspekte einer professionellen Leiterschaft für diese Zeit. Gottes Blickwinkel ist immer ganzheitlich, sowohl fachlich als auch persönlich-sozial, sowohl bezogen auf unser seelisches als auch unser körperliches Wohlergehen, sowohl geistlich als auch gesellschaftlich relevant. Paulus erläutert dem Titus die Wesensmerkmale und die Funktionen eines Leiters und unter welchen Umständen wir den besonderen Anforderungen begegnen können. Erkenntnis und Gottseligkeit, Gnade und Friede sind dabei die ersten Fundamente, ohne die nichts geht. Dabei sollen wir sein wie ein Vater, der um das individuelle und kooperative Wohlergehen der Kinder bemüht ist.

Der Andachtstext schließt mit dem Verweis auf das beste Bild der Führung, das es gibt: Paulus will Titus leiten, wie Gott der Vater seinen Sohn Jesus leitet und wie Jesus ihn leitet. Wir dürfen uns ein Beispiel am himmlischen Vater, an Jesus, aber auch an Paulus nehmen und wollen in der Erkenntnis, im Glauben, in der Gnade und im Frieden wachsen. So werden wir in der Lage sein alle Herausforderungen als Leiter, aber auch als Mitarbeiter gut zu bewältigen. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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