»Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind, seinen Gruß! Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet, indem ihr erkennt, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt.« (Jakobus 1,1-2)
Wir setzen unsere Andachtsreihe mit dem Jakobusbrief fort und können in den ersten Versen genau an dem Thema anknüpfen, mit dem wir den Epheserbrief beendet haben: dem Glauben. Wir erinnern uns an den Vorrang des Glaubens („preeminence“) vor allen anderen Bestandteilen der geistlichen Waffenrüstung und an die vielen Worte Jesu, die die Wichtigkeit und Existenzialität des Glaubens hervorheben. Allein durch den Glauben öffnen wir uns für Gottes Gnade und die Wirksamkeit seiner Gegenwart und Kraft, nur durch den Glauben ist es möglich, Gott zu gefallen und nur durch den Glauben finden wir den Zugang zu Gottes Liebe.
Jakobus schreibt den Judenchristen in der Zerstreuung in Zeiten der Verfolgung und Not und beginnt damit zu verdeutlichen, dass viele Versuchungen, Angriffe und Verfolgungen über die Gemeinden kommen und dass diesen Einflüssen nur mit einem wirksamen Mittel begegnet werden kann: dem Glauben! An dieser Stelle kommt mir noch einmal die Aufzählung der Glaubenshelden aus dem Brief an die Hebräer in den Sinn, auch dort wurden viele Menschen aufgeführt, die in Zeiten schwerer Bedrängnis durch ihren Glauben zu Überwindern wurden.
Jakobus schreibt den Judenchristen in der Zerstreuung, denen, die aufgrund ihres Glaubens schon Flucht und Verlust ihrer Heimat sowie ihres Hab und Guts, Trennung und Unterdrückung erleiden mussten. Wir wissen, dass Jakobus selbst Märtyrer wurde, von daher war auch für ihn als Autor des Briefes die Verfolgung keine reine Theorie. Er selbst wusste, dass sich der Glaube insbesondere in Zeiten der Verfolgung und Not bewähren muss und allein durch die Bewährung des Glaubens Ausharren und letztlich Überwindung erreicht werden kann.
Die Bewährung des Glaubens, der Glauben an sich, hat dabei für Jakobus einen solch hohen Stellenwert, dass er den Gemeinden sogar rät, es für lauter Freude zu halten, wenn sie in mancherlei Versuchung geraten, denn die Versuchungen sind es, die eine Bewährung des Glaubens ermöglichen. Mit anderen Worten, stellt Jakobus den Glauben höher als die subjektiven Befindlichkeiten, höher als das Wohlempfinden, höher als materielle, finanzielle und selbst körperliche Unversehrtheit! Für Jakobus ist der Glaube so wichtig, dass alles Freude bereitet (auch das, was eigentlich so negativ ist), was nur den Glauben stärkt!
Jakobus sieht alle Werte in Relation zur Ewigkeit und zum Königreich Gottes und er weiß, dass allein der Glaube die Tür zu Gottes Wirksamkeit und zu Gottes Gegenwart ist. Jakobus schätzt diese Gegenwart Gottes so sehr, weil er weiß, dass diese Gegenwart und die Wirksamkeit Gottes immer größer ist als jede Not, jeder Angriff und jede Versuchung. Mit anderen Worten sagt Jakobus: „Alles, was uns letztlich in die Gegenwart Gottes treibt, können wir dankbar und mit Freuden entgegen nehmen, auch wenn es aus menschlichen Gesichtspunkten noch so schlimm oder negativ ist.“
Solch eine Einstellung können wir nur gewinnen, wenn wir beginnen zu verstehen, wer Gott ist, wie er ist und wie klein und nichtig die Sorgen dieser Welt im Angesicht Gottes sind. Solch eine Einstellung kann nur haben, wer aus dem Glauben lebt und nicht aus dem Schauen. Solch eine Einstellung kann nur haben, wer alle Umstände aus dem Licht Gottes und seiner Wahrheit betrachtet und wer jedes Leiden in einer Relation zu der Herrlichkeit sieht, die ein gestählter, bewährter und vertrauensvoller Glaube hervorruft. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Bewährung, Freude, Gegenwart, Glaube, Versuchung
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