»Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben; eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist, und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus. So viele nun vollkommen sind, lasst uns darauf bedacht sein! Und wenn ihr in irgendetwas anders denkt, so wird euch Gott auch dies offenbaren. Doch wozu wir gelangt sind, zu dem lasst uns auch halten!« (Philipper 3,13-16)
Von Paulus lernen wir, wie ein siegreiches Leben gelingen kann. Die Einstellung des Paulus vereint Demut und selbstkritische Reflexion – ohne Selbstmitleid oder gar Selbstzweifel – auf der einen Seite sowie mutige, kraftvolle und entschlossene Zielgerichtetheit auf der anderen Seite. Paulus lässt sich nicht von negativen Aspekten der Vergangenheit übermannen, sondern er vergisst das, was hinter ihm liegt, um sich ganz und gar nach dem auszustrecken, was vorn ist. Paulus lässt sich nicht von seinen Fehlern und Schwächen – besonders den Fehlern der Vergangenheit – aufhalten, sondern jagt auf das Ziel zu, das ihm Christus gegeben hat.
Wie sieht es in dieser Hinsicht bei uns aus? Lassen wir uns noch immer von der Vergangenheit oder von bestimmten Aspekten unserer Biographie derart beeinflussen, dass wir dadurch gehindert werden, jetzt und hier nach dem zu greifen, was uns Gott anbietet? Lassen wir uns von Selbstzweifel, Trauer oder einer Verletzung der Vergangenheit heraus der Potentiale berauben, die in der Gegenwart und in der Zukunft liegen? Glauben wir noch immer den Lügen des Satans über unsere Fähigkeiten, unseren Selbstwert und unserer Bedeutsamkeit in Gottes Augen? Wie von einer Giftschlange lassen wir uns von Schuld, Ballast der Vergangenheit und dem Empfinden der eigenen Unzulänglichkeit hypnotisieren und lähmen, anstatt wie Paulus die Vergangenheit zu vergessen – d. h. bei Christus abzugeben und als bedeutungslos für die Gegenwart und Zukunft zu betrachten.
Diese Eigenschaft, trotz Fehler und Schwächen nicht aufzugeben, sondern immer wieder neu in die eigenen oder Gottes Fähigkeiten zu vertrauen, immer wieder aufzustehen, auch wenn man gefallen ist, wird als Resillienz bezeichnet. Die Resillienz ist die Fähigkeit, allen Widrigkeiten zum Trotz an dem eigenen Ziel festzuhalten und es weiterhin mit aller Kraft zu verfolgen. Welches Ziel sollen wir denn resillient verfolgen? Paulus nennt dieses Ziel den Kampfpreis der Berufung Gottes in Jesus Christus. Manchen mag Paulus (oder zumindest sein Sprachgebrauch) zu kämpferisch oder kriegerisch erscheinen, er sieht sein Leben wie in einer olympischen Laufbahn, bei der es gilt, den Siegeskranz zu erringen. Er läuft den Marathonlauf der Nachfolge und hält dabei beständig seine Augen auf das Ziel fixiert, Jesus Christus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.
Wer davon ausgegangen ist, dass die Nachfolge eine Hängematte oder ein Spaziergang ist, dem mögen diese Worte des Paulus als etwas zu „leistungsorientiert“ erscheinen. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Nachfolge kein Spaziergang ist, ebenso wenig wie der Weg vom Garten Gethsemane zum Berg Golgatha ein Spaziergang war.
Paulus ermahnt uns an anderer Stelle, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen und ein solcher Kampf ist es, denn noch immer steht die Welt unter der Herrschaft dessen, der sie durch List und Tücke im Garten Eden an sich gerissen hat. Noch immer herrscht der Fürst dieser Welt durch den Ungehorsam der Geschlechter und noch immer rennt dieser Fürst umher wie ein brüllender Löwe, um zu suchen, wen er verschlinge.
Klingen auch all diese Worte zu hart oder kämpferisch? Wer die Bibel aufmerksam liest – besonders die Worte Jesus selbst – wird keinen anderen Tenor feststellen können. Jesus selbst ermahnt seine Jünger zum Ende seines Dienstes mehrfach, wachsam zu sein, zu beten und zu ringen. Der Glaube ist ein Kampf und wer dies akzeptiert, kann dadurch die Entschlossenheit erlangen, trotz gewisser Niederlagen weiter zu ringen, dem Ziel nachzujagen, die eigene Berufung zu leben und nach dem Siegespreis der himmlischen Berufung zu greifen! Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Fehler, Resillienz, Schwächen, Selbstzweifel, Siegeskranz, siegreich, Vergangenheit, Ziel, Zielgerichtetheit
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