Die Fülle des Geistes


»Den hat er durch Jesus Christus, unseren Retter, reichlich über uns ausgegossen, damit wir, gerechtfertigt durch seine Gnade, Erben nach der Hoffnung des ewigen Lebens wurden.« (Titus 3,6-7)

Der Schlüssel zu einem Leben in Fülle ist der Glaube, der das Handeln des dreifaltigen Gottes in unserem Leben wirksam werden lässt. Durch den Glauben an Jesus Christus werden wir gerechtfertigt und erlangen die Gotteskindschaft. Doch wir müssen darauf achten, dass der Glauben des Neuen Testaments dort nicht aufhört. Wir glauben nicht allein daran, dass wir erlöst sind, sondern auch, dass wir auf der Grundlage unserer Erlösung von dem Heiligen Geist transformiert werden. Durch den Glauben an Jesus Christus haben wir die Macht erhalten, Gottes Kinder zu sein, wie es im ersten Kapitel des Johannesevangeliums heißt und diese Macht ist der Heilige Geist. Fraglich ist nun, was wir mit dieser Macht zu tun gedenken, besser gesagt, inwiefern wir uns dem machtvollen Wirken des Heiligen Geistes aussetzen.

Jesus ist unser Retter, er erlöste uns durch sein am Kreuz von Golgatha vergossenes Blut. Nun ist es jedoch nicht so, dass Jesus Christus uns erlöste und wir nun geduldig auf den Tag seiner Wiederkehr warten müssen, bevor wir erneuert werden. Nach der Kreuzigung erfolgte zunächst die Auferstehung und dann die Ausgießung des Geistes zu Pfingsten. Aus verzagten, ängstlichen Jüngern wurden mutige und begeisterungsfähige Prediger, ihre Worte gingen den Menschen durchs Herz. Eben noch hielten sie sich voller Angst versteckt und im nächsten Augenblick standen sie predigend auf der Straße und dreitausend Menschen kamen zum Glauben.

Gott hat seinen Geist nicht zaghaft über uns ausgegossen, zu diesem Schluss müssten wir gelangen, wenn wir manchmal unser geistliches Leben selbstkritisch in den Blick nehmen. Nein, vielmehr hat Gott seinen Geist reichlich über uns ausgegossen, d. h. uns steht wirklich die Fülle der Liebe, der Freude, des Friedens, der Kraft, des Trosts und des Beistandes des Heiligen Geistes zur Verfügung. Durch die Rechtfertigung haben wir den Status und das Anrecht als Kinder und Erben Gottes erhalten. Der Heilige Geist ist das Siegel dieses Erbes und durch sein Wirken treten die Erfüllungen der Verheißungen in Kraft und wir können unser Erbe schon hier und jetzt in Anspruch nehmen. Wie wir beispielsweise an der Apostelgeschichte deutlich erkennen können, wird Gottes Auferstehungsmacht in uns durch den Geist im Hier und Jetzt wirksam.

Wenn im Neuen Testament von dem ewigen Leben die Rede ist, dann meint dies – ganz im Gegensatz zu unserem Deutungsmuster – nicht allein das zeitlich unbegrenzte Leben nach dem Tod, sondern es meint eine neue und göttliche Lebensqualität im Jetzt und Hier. Das griechische Worte “Zoe” ist nicht nur ein “Leben nach dem Tod”, sondern ein Leben der göttlichen Dimension und Fülle auf Erden. Paulus spricht im Zusammenhang mit diesem Leben von der Auferstehungsmacht Christi, die in uns wirksam ist und Jesus umschreibt dieses Leben als ein Leben in Fülle. Wenn es also heißt, dass der Geist reichlich über uns ausgegossen ist, damit wir Erben nach der Hoffnung des ewigen Lebens wurden, dann nicht nur Erben des Jenseits, sondern auch Erben des Lebens im Diesseits. Wann wollen wir beginnen, aus dieser Fülle des Geistes zu schöpfen und eine neue Dimension des Wirkens und Handelns Gottes in uns und durch uns erbitten? Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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