Die Furcht des Herrn


»Ich will euch aber, obwohl ihr alles wisst, erinnern, dass der Herr, nachdem er das Volk einmal aus dem Land Ägypten gerettet hatte, zum zweiten Mal die vertilgte, die nicht geglaubt haben; und Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter Finsternis verwahrt, wie auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die in gleicher Weise wie sie Unzucht trieben und hinter fremdem Fleisch herliefen, als ein Beispiel vorliegen, indem sie die Strafe des ewigen Feuers erleiden.« (Judas 1,5-7)

Judas Denken, Handeln und Entscheiden ist davon bestimmt, dass er ein Knecht Gottes und Mitarbeiter in seinem Reich ist. Er ist sich seiner hohen Verantwortung als solcher bewusst und weiß, dass er beauftragt ist, gegen alles zu kämpfen, was die Menschen in die Irre führt, sie verführt und Gottlosigkeit hervorruft. Judas ist geradezu beseelt von der Furcht des Herrn und seiner Heiligkeit, und den Konsequenzen der Gottlosigkeit und des Unglaubens, dass er seine Adressaten mahnt, sich verschiedene Beispiele der Auswirkungen der Rebellion und des Misstrauens gegenüber Gott zu nehmen. Das erste Beispiel ist das Volk Israel, das Gott mit großen Wundern und Zeichen mit seiner mächtigen Hand aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte. Trotz seiner großen Liebe und Gnade wurde das Volk immer wieder ungläubig, rebellisch und gottlos, so dass ein Großteil der ersten Generation nicht in das gelobte Land eingehen konnte und einige sogar vom Erdboden vertilgt wurden.

Ein weiteres Beispiel sind die Engel, welche in der unmittelbaren Gegenwart Gottes leben durften und seine Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht sahen. Anstatt Gott dafür dankbar zu sein und aus der Fülle dieser Gegenwart zu schöpfen, wurden einige der Engel – allen voran eines der herrlichsten Engel überhaupt – von Stolz und Rebellion erfüllt, so dass sie sich gegen Gott auflehnten, sogar gegen ihn Krieg führten und Gott von seinem Thron stoßen wollten, was sie natürlich nicht erreichen konnten und somit ihren angestammten Platz in Gottes Gegenwart und ihre Herrlichkeit verloren. Das dritte Beispiel des Andachtstextes sind die Städte Sodom und Gomorra und deren umliegenden Städte, die so böse und so voller Unzucht und Unreinheit waren, dass nicht einmal die Gegenwart von gottesfürchtigen Menschen und die Fürbitte Abrahams sie vor dem fürchterlichen Gericht Gottes schützen konnte.

Judas führt die o. g. Beispiele auf, um dann aufzuzeigen, welches Schicksal diejenigen erwartet, die die Gemeinde in die Irre führen und das Werk des Herrn unterwandern wollen. Er zeigt auf, was die Irrlehrer, Verführer und Heuchler auf sich ziehen, wenn sie ihrer Gottlosigkeit weiter folgen. Dennoch glaube ich, dass dieses Wort uns alle aufrütteln sollte und uns neu vor Augen führen will, dass unser Gott ein heiliger und konsequenter Gott ist und wir uns davor hüten sollten, unser Herz von Unglauben, Rebellion und Stolz beherrschen zu lassen. Wir sollten nicht leichtfertig mit der Gnade Gottes umgehen und die Frage des Gehorsams auf die leichte Schulter nehmen. Dietrich Bonhoeffer lehrt uns, dass die Annahme der billigen Gnade fatale Auswirkungen auf unser Seelenheil nehmen kann und wir bereit sein müssen, uns für unseren Glauben auch beschneiden zu lassen. Es gibt das Böse in der Welt und wenn wir zulassen, dass es uns schleichend beeinflusst und bestimmt, wird es unser Herz korrumpieren und das Gericht auf uns herab rufen.

Wir sollten Gott bitten, uns neu mit der Furcht des Herrn zu erfüllen, so dass wir die Sünde hassen und Gott lieben. Wir dürfen Gott bitten, allen Unglauben, alle Rebellion und allen Ungehorsam zu offenbaren und uns einen neuen und beständigen Geist zu geben. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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