»Wenn irgendein anderer meint, auf Fleisch vertrauen zu können – ich noch mehr: Beschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, Hebräer von Hebräern; dem Gesetz nach ein Pharisäer; dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde; der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden.« (Philipper 3,4-6)
Die Judaisten versuchten den Gemeinden die Pflicht aufzuerlegen, die rituellen Gebote des mosaischen Gesetzes zu befolgen, so z. B. die Beschneidung. Dadurch würden sie aufgrund ihres lebensweltlichen Kontextes als Juden und teilweise Schriftgelehrte eine besondere Macht und einen besonderen Einfluss auf die Gemeinden und die Gläubigen gewinnen. Wie Jesus es bereits den Pharisäern bescheinigte, versuchten diese Judaisten die Gemeinden unter das Joch des Gesetzes zu zwingen, wobei die Interpretationshoheit darüber, wie genau das Gesetz befolgt werden sollte, natürlich ihrer Meinung nach bei ihnen lag. Durch diese Forderungen untergruben sie auf satanische Art und Weise das Evangelium und sie banden Menschen in die Sklaverei des Gesetzes, von der sie Christus befreien wollte.
Alles in allem waren die eigentlichen Motive Eigensucht, Machtstreben, Gier und Heuchelei aus einem verkehrten Herzen. Diese Forderung, dem Heilshandeln Gottes das zweifelhafte Bemühen des Menschen, die rituellen Gesetze zu befolgen, hinzuzufügen, entsprach und entspricht der Lüge des Satans, dass wir Menschen aus eigener Kraft so sein können wie Gott. Wann immer Menschen auf ihr Fleisch vertrauen, anstatt auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit, sind sie mit hineingenommen in den Stolz, die Eitelkeit und die Rebellion des Satans gegen Gott, welcher sich anmaßte, nach Gottes Thron zu streben. Seitdem ist es der zwingende Wille des Feindes, uns Menschen in diese Rebellion miteinzubeziehen.
Das fatalste Gewand dieser Rebellion ist die Religiosität, welche den äußeren Schein einer Frömmigkeit und Hingabe an Gott darstellt, aber in Wirklichkeit nur das eigene Fleisch zu verherrlichen sucht. Die Religiosität, d. h. das Verkleiden des Strebens des Fleisches sich selbst durch Werke erlösen zu können, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen, ist deshalb so gefährlich, weil sie den Menschen benebelt und in falscher Sicherheit wiegt. Dem Feind ist durch diese heuchlerische Religiosität mehr Einfluss auf die Seelen von Menschen gegeben als in irgendeiner anderen Form des offenen Götzendienstes, Satanskultes, etc. Die Religiosität, d. h. die fleischliche Frömmigkeit, welche sich zwar äußeren Formen bedient ohne auch nur im Ansatz mit dem Herzen nach Gott zu suchen, ist meines Erachtens nach eines der stärksten Geheimwaffen des Feindes.
Paulus selbst hat diese diffuse Taktik des Feindes am eigenen Leibe erlebt. Er war ein Musterschüler des großen Gelehrten Gamaliel, er hielt weitestgehend alle Satzungen und Regeln, er entstammte einem angesehenen Geschlecht und erwies sich als leidenschaftlicher und überaus engagierter Mitarbeiter im Kreis der Pharisäer. In diesem religiösen Sinne konnte er wirklich stolz auf sich sein. In Wahrheit aber war er in allem ein Diener des Satans, denn dieser gebrauchte ihn als mächtige Waffe gegen die Gemeinde Jesu Christi. Hier erkennen wir die Zauberei und Hexerei der Religiosität. Die Verblendung ist so stark, dass jemand meinen kann, er sei der treueste und größte Diener Gottes, wobei er der „Mitarbeiter des Monats“ der Hölle ist.
Paulus benutzt sein Zeugnis, um die Lehre und die Forderungen der Judaisten ad absurdum zu führen. Er weiß genau, wohin solch eine Religiosität aus dem Fleische führt, denn auf dieser Ebene konnte ihm keiner das Wasser reichen. Allein die Gnade der Offenbarung des Auferstandenen rettete ihn aus der Hand des Satans, dessen Waffe er war, und machte ihn zu einem Kind Gottes und zum Diener des Evangeliums. Nun wurde Paulus zum schärfsten Gegner des Fleisches, der Religiosität und der Heuchelei.
Es ist mein beständiges Bestreben, durch den Beistand des Geistes mein Herz nach jeglicher Form der falschen Religiosität zu „scannen“, jeglicher Form ohne die Substanz der Liebe für Gott, jeglichem Versuchen, die bedingungslose Annahme Gottes durch Werksgerechtigkeit zu ersetzen. Da es sehr schnell geschehen kann, dass wir den Geist dämpfen, betrüben oder seine Stelle übernehmen, ist es – so glaube ich – sehr wichtig, diese Art der Reflexion jeden Tag neu zu unternehmen. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Fleisch, Gesetz, Heuchelei, Religiosität, Stolz
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