»Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, auf dass er dem Dürftigen mitzuteilen habe.« (Epheser 4,28)
An Paulus schätze ich so sehr, dass er in seiner Lehre und Ermahnung stets einen sehr allumfassenden Ansatz hat, d. h. er bezieht alle Bereiche des Lebens in seine Ausführungen mit ein. Dies versetzt uns in die Lage, wirklich alle Bereiche unseres Lebens zu reflektieren und zu hinterfragen, wie sehr wir das Leben aus Gott leben oder in Bereichen unseres Lebens nicht dem Willen Gottes entsprechen. In der gestrigen Andacht ging es um den Charakter und die Früchte des Geistes und in diesem und den kommenden Versen des vierten Kapitels geht Paulus weiterhin auf diese Aspekte ein.
Sehr häufig unterliegen Christen dem Irrtum, dass ihr Glaube lediglich eine Privatsache ist und keinerlei Bewandtnis für das öffentlich-gesellschaftliche Leben habe. Sie betrachten den christlichen Glauben lediglich als einen geistlichen oder jenseitigen Bezugspunkt, als religiöse Tradition oder als Randthema des Lebens ohne jegliche Auswirkung auf das Handeln im Alltag, die Berufsausübung oder die Verantwortung als Staatsbürger im politischen und gesellschaftlichen Kontext. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall. Als Christen sind wir berufen, eine besondere Verantwortung und ein besonderes Engagement für unsere Gesellschaft zu übernehmen.
Manche Christen tendieren dazu, sich aus der Welt in ihren „Gemeindekontext“ zurückzuziehen und die Welt ihrem Niedergang zu überlassen. Sie verstehen die Worte Jesu, dass wir nicht mehr von der Welt sind, jedoch in der Welt, meines Erachtens völlig falsch. Wir sollen uns nicht dem Wesen der Welt anpassen, aber(!) wir sind durchaus dazu berufen, diese Welt mit der Kraft und Liebe Gottes zu einem besseren Ort zu machen! Wir sollen Licht sein in der Finsternis, sollen ein Segen sein und sollen unsere Verantwortung im Beruf, in Gesellschaft und Staat vorbildlich und mit Hingabe leben! Wir sollen in allen Dingen, in der Art und Weise unserer Rede, unserer Entscheidungen und unseres Handelns Menschen ermutigen, bestärken, ihnen helfen und bereit sein, die Gesellschaft zu prägen.
Ich bin nicht dafür, die Kinder in eigene christliche Schulen zu schicken und einen Lebensstil, eine Kultur, zu entwickeln, die uns von den Menschen und der Gesellschaft absondert, sondern wir sollen wie Keimzellen, wie Salz oder Sauerteig in der Mitte der Gesellschaft Impulse setzen, kritische Anregungen geben und auch den Menschen ggf. ein Dorn im Auge sein. Sich absondern im Sinne von „kadosch“, d. h. „heilig sein“, ist eine innere Absonderung von dem Wesen dieser Welt, von der Sünde, der Lüge, der Rebellion etc. aber nicht eine Absonderung von den Menschen, die Gott liebt!
Wir sollen uns im Denken und Verhalten absondern, das heißt, nicht mehr stehlen, betrügen, lügen oder eigensüchtig sein, aber dennoch danach streben, den Menschen die Liebe Gottes nahe zu bringen. Wir sollen in allen Bereichen unseres Lebens (in der Familie, am Arbeitsplatz, in Bereichen der Kultur, Wissenschaft, Politik etc.) ein Segen sein und so mit unseren Gaben, Fähigkeiten und unserem Besitz haushalten, dass wir den Armen und Bedürftigen geben können. Das christliche Leben ist ein allumfassend gelingendes Leben, ein überfließendes Leben und vor allen Dingen ein in sich schlüssiges Leben ohne Brüche und Widersprüche. Wir sagen nicht „Herr, Herr“, ohne zu tun, was er sagt, sondern wir folgen Christi Gebote, bringen Früchte und Werke hervor, weil wir ihn lieben und weil er uns seinen Geist gegeben hat! Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Beruf, Charakter, Früchte des Geistes, Gesellschaft, heilig, Licht, Verantwortung
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