Die Sündhaftigkeit des Herzens


»Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird.« (Jakobus 1,13)

Als Christen tendieren wir häufig dazu, die Ursache für unsere Sünden außerhalb von uns selbst zu sehen. Wir beklagen den ethischen Verfall der Gesellschaft, den Untergang der Sitte und Moral und sehen überall die Versuchungen dieser lasterhaften Welt. Nicht selten kann es dabei sogar passieren, dass wir andere Menschen richten und bestimmte Dinge verurteilen und dabei das Gefühl entwickeln, uns über die anderen Menschen und Systeme erheben zu können. Wir reden uns ein, dass nicht wir verantwortlich für die Sünden sind, sondern die vielen sündhaften Einflüsse, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind.

Ohne zu leugnen, dass das Wesen der Welt böse und sündhaft ist und ohne zu leugnen, dass wir vielen bösen Einflüssen ausgesetzt sind, macht uns die Bibel jedoch unmissverständlich deutlich, was die Wurzel oder Quelle der Sünde ist: unser Herz. Wäre unser Herz nicht sündhaft oder böse, könnte es so viele Einflüsse geben wie Sand am Meer, wir würden nicht das Empfinden haben, diesen Einflüssen und Versuchungen nachgehen zu wollen. Die äußeren Einflüsse können nur das aktivieren, was in unserem Herzen bereits angelegt ist. Jesus selbst macht dies ganz deutlich, wenn er die Pharisäer darauf hinweist, dass nichts Äußeres den Menschen unrein machen kann, sondern nur das, was aus dem Herzen des Menschen herauskommt.

Gott selbst ist es nicht, der uns in Versuchung führt, sondern es sind letztlich unsere Begierden, die uns in das Verderben fortziehen und locken wollen. Diese Begierden sind eine Konsequenz unseres gefallenen und von Gott entfremdeten Wesens. Wir haben die Herrlichkeit verloren, die wir einst hatten und der Geist des Menschen wurde durch die Einflüsse der Sünde kontinuierlich „deformiert“. Jesus Christus hat die Macht der Sünde gebrochen, die Liebe des Vaters und das Wirken des Heiligen Geistes verändern unser Herz von innen heraus. Wenn wir also das Empfinden haben, in Versuchung geführt zu werden, dann ist es eine Sache, dem jeweiligen Reiz vorerst auszuweichen oder von ihm zu fliehen (wie Josef, als er von der Frau des Potiphar in Versuchung geführt wurde). Dies kann sicherlich zunächst eine präventive Wirkung haben.

Auf Dauer nutzt es jedoch nichts, vor der Versuchung zu fliehen, denn das Problem ist nicht die Versuchung, sondern unser Herz. Wenn wir wirkliche Veränderung wollen, dann müssen wir uns mit den Begierden unseres Herzens auseinandersetzen, die erst dazu führen, dass die ein oder andere Versuchung für uns überhaupt „interessant“  ist. Wir müssen Gott bitten, unser Herz zu prüfen und die tiefen und verborgenen Begierden und sündhaften Sehnsüchte und Leidenschaften zu offenbaren. Die Ursachen können Stolz, Verletzungen der Seele, Scham, Angst, Eitelkeit aber auch einfach nur Bosheit sein. Gott allein kann uns zeigen, was wirklich in unserem Herzen vor sich geht.

Es gilt also nicht globale Kritik an der Gesellschaft zu üben, sondern eine vom Geist geleitete, selbstkritische Reflexion, um durch die von innen bewirkte Veränderung zur Veränderung der Gesellschaft beizutragen. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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