Die (Un-)Verlierbarkeit des Heils


»Daher, meine Geliebten – wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit –, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern!« (Philipper 2,12)

Der heutige Bibeltext gehört sicherlich nicht zu den leicht verständlichen Texten der Bibel. Besonders der zweite Teil des Satzes scheint einige Fragen aufzuwerfen, wenn wir ihn im Lichte des Evangeliums sehen, das die Gnade Gottes im Zusammenhang mit unserem Heil hervorhebt. Gerade Paulus weist die Christen immer wieder auf die Tatsache hin, dass wir unser Heil nicht durch eigene Leistungen erwirken können, sondern dass unser Heil einzig und allein auf der Gnade Gottes beruht, die uns in Jesus Christus offenbart worden ist. Christus ist unser Heil, er hat unsere Erlösung erwirkt, indem er am Kreuz für unsere Sünden starb. Können wir daher unser Heil überhaupt erwirken?

Diese Frage steht eng in Zusammenhang mit einer anderen Frage: Können wir unser Heil verlieren? Paulus ermahnt uns an anderen Stellen nämlich auch, achtsam darauf zu sein, das Heil nicht zu verspielen. Können wir nun etwas zu unserem Heil beitragen und darüber hinaus etwas tun, was dazu führt, dass wir das Heil verlieren können? Faktisch gibt es Bibelstellen, die dafür Zeugnis ablegen, dass Gottes Gnade uns trägt, aber auch Bibelstellen, die auf die Möglichkeit des Heilsverlustes hinweisen, so z. B. Hebräer 6,4-6. Dabei muss sicherlich noch unterschieden werden, ob Gott jemals einen Menschen aufgeben würde oder aber, ob ein Mensch jemals Gott aufgeben würde. Im Hinblick auf die Wirksamkeit der Gnade gilt jedoch auch für letzteres: sie könnte auch dies verhindern.

Meines Erachtens gibt es in der Bibel dieses Spannungsfeld zwischen der „Unverlierbarkeit des Heils“ auf der einen Seite und der „Verlierbarkeit des Heils“ auf der anderen Seite, weil sie auf einer Dimension der Wahrheit beruht, die nicht unbedingt unserem dualistischen Denken im Sinne von entweder/oder entsprechen muss. Wir können auf der einen Seite eine Heilsgewissheit gewinnen, die jedoch nicht zu einer falschen Heilssicherheit führt, die gleichgültig gegenüber einem Lebensstil der Hingabe und der Furcht des Herrn (im Sinne von Sprüche 8,13: „Die Furcht des HERRN bedeutet, Böses zu hassen.“) ist. Niemand und nichts kann uns unser Heil rauben, aber meines Erachtens können wir das Heil mit Füßen treten, wenn wir nicht in der Liebe und Furcht des Herrn wandeln. Wenn wir der Sünde Raum lassen und immer unsensibler gegenüber Gott werden und dem, was ihn schmerzt, wenn wir immer weniger von der Sehnsucht angetrieben werden, heilig zu sein, wie unser Vater im Himmel heilig ist, dann räumen wir dem Bösen immer mehr Raum in unseren Herzen ein, dämpfen den Geist und entfernen uns zunehmend von der Gegenwart Gottes und der Quelle des Lebens.

Wir dürfen niemals leichtfertig mit unserem Heil umgehen, die Heiligkeit Gottes verharmlosen und mit dem Bösen kokettieren. Wir müssen wissen, dass der Feind umherläuft wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Unser Heil mit Furcht und Zittern zu bewirken heißt, sich zu demütigen unter die mächtige Hand Gottes, ihm gehorsam zu sein, die Sünde und das Böse zu hassen und eine Sehnsucht nach Gottes Heiligkeit und Gegenwart zu haben. Wir erzittern nicht vor Gott, sondern wir erzittern vor dem Gedanken, diesen Gott zu schmähen und sein Heil mit Füßen zu treten. Wir nehmen die Erlösung nicht als Selbstverständlichkeit an, sondern in Dankbarkeit und Hingabe. Wir bekennen beständig unsere Sünde und Schuld und lassen uns auf den kontinuierlichen Veränderungs- und Beschneidungsprozess durch den Heiligen Geist ein. Wir werfen uns auf Gott, von dem wir die Fähigkeit erlangen, zu widerstehen und zu überwinden. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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