Die Vollendung des Glaubens durch Werke


»Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte? Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und der Glaube aus den Werken vollendet wurde.« (Jakobus 2,21-22)

Abraham wird als Vater und Vorbild des Glaubens bezeichnet. Abraham erhielt von Gott eine konkrete Verheißung – für sich und seine Nachkommen – sowie eine konkrete Weisung für sein Leben. Gott beauftragte Abraham damit, sein Vaterland zu verlassen und in ein ihm unbekanntes, jedoch von Gott verheißenes Land zu ziehen. Abraham glaubte der Verheißung Gottes und er war Gott gehorsam, indem er seine Heimat zurückließ, die Ungewissheit auf sich nahm und mitsamt seiner Familie in das neue und verheißene Land zog. Doch bei alledem war das Maximum der Herausforderung des Glaubens und des Vertrauens noch nicht erreicht.

Gott prüfte den Glauben und das Vertrauen Abrahams, indem er ihn aufforderte, seinen einzigen von Gott verheißenen Sohn Isaak zu opfern. Abraham war selbst bereit, das ihm Wertvollste und Liebste für Gott zu opfern, in dem Vertrauen, dass Gott alle Dinge möglich sind und Gott sogar Macht über Leben und Tod besitzt. Abrahams Glauben und Vertrauen fand unmittelbaren Ausdruck in seinem Gehorsam, seiner Hingabe und seiner Liebe zu Gott.

Jakobus verwendet hier in seinem Brief eine Redewendung, die in der Kirchengeschichte viel Aufruhr hervorgerufen hat. Martin Luther z. B. erwog sogar, den Jakobusbrief aus dem Kanon der Bibel herauszunehmen, weil er scheinbar gegen das Prinzip der Rechtfertigung durch Gnade und Glauben verstößt, wenn Jakobus schreibt: „Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden …“ Meines Erachtens (und aus diesem Grund ist der Jakobusbrief letztlich nicht herausgenommen worden) weist dieser und der darauf folgende Vers nicht darauf hin, dass die Werke an sich rechtfertigen, sondern dass der Glaube und die Werke zusammenwirken und der Glaube durch die Werke vollendet wird!

Meines Erachtens ist häufig im Bezug zur Gerechtigkeit Gottes eine verkürzte Vorstellung unter Christen wahrnehmbar. Im Rahmen der Rechtfertigungslehre wird immer nur die eigene Erlösung und Rechtfertigung vor Gott betrachtet, aber nicht die Tatsache, dass die Gerechtigkeit Gottes immer eine praktische Handlungsgerechtigkeit ist. Wer gerechtfertigt worden ist, handelt auch gerecht, im Sinne von tätiger Nächstenliebe, Hilfe für die Armen, Verbesserung der gesellschaftlichen Lebensumstände etc. Der Glaube bewirkt nicht nur unsere Rechtfertigung im Sinne der Erlösung, sondern auch eine Transformation unseres Denkens und Handelns hin zur Gerechtigkeit.

Der Glaube bringt die Werke hervor und die Werke vollenden den Glauben. Wir wollen beten, dass wir ein Leben des vollendeten Glaubens durch Gottes Gnade leben dürfen und können. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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