»Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, damit ich, sei es, dass ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, dass ihr fest steht in einem Geist und mit einer Seele …« (Philipper 1,27)
Paulus ermahnt die Philipper und auch uns, würdig des Evangeliums des Christus zu leben. Was bedeutet dies grundsätzlich? Wir alle kennen den ersten Artikel unseres Grundgesetzes, welcher uns darauf hinweist, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Dieser erste Artikel des Grundgesetzes bildet die rechtliche Grundlage allen staatlichen und zwischenmenschlichen Handelns in unserem Land und bindet die Gesetzgebung, die Rechtsprechung sowie die Exekutive an die Bewahrung der Menschenrechte. Der Staat hat vor allen Dingen den Auftrag, diese Würde des Menschen zu wahren und zu schützen.
Die Väter des Grundgesetzes waren von unterschiedlichen Anschauungen über den Ursprung dieser Würde geprägt, manche leiteten diese Würde von der Annahme einer Gottesebenbildlichkeit des Menschen ab, andere von der Annahme einer naturgemäßen Würde des Menschen auf der Grundlage der humanistischen Anschauung. Allen gemein war jedoch der feste Entschluss, dass es nie wieder einen deutschen Staat geben sollte, der die Menschenwürde derart mit Füßen tritt, wie es unter der nationalsozialistischen Diktatur geschah.
Wie wir an unserem Grundgesetz erkennen, verfügt die Würde des Menschen über einen Ausgangspunkt und über verschiedene Funktionen. Die Würde ist dem Menschen durch etwas gegeben, wie wir oben sehen. Die Würde hat etwas mit dem Wesen des Menschen zu tun, damit, wer wir sind, ganz unabhängig davon, was wir tun oder nicht tun. Wir haben eine Würde, allein weil wir Gottes Geschöpfe sind. Die Funktionen der Würde lassen sich in Anlehnung an die Grundrechte meines Erachtens wie folgt beschreiben:
- Die Würde gibt dem Menschen einen bestimmten Status und Wert.
- Die Würde des Menschen setzt dem zwischenmenschlichen Handeln Grenzen und hat damit eine Schutzfunktion.
- Die Würde des Menschen ist somit auch der verbindende Wert der Menschen. Die Bewahrung von Würde ermöglicht Gemeinschaft.
- Die Würde des Menschen verpflichtet ihn und nimmt ihn in die Verantwortung.
In der heutigen Bibelstelle ist von einer ganz besonderen Würde die Rede, die Würde im Zusammenhang mit dem Evangelium. Wenn wir die o. g. Punkte darauf beziehen, würde dies bedeuten: Das Evangelium gibt uns den besonderen Status des Gotteskindes und den Wert, den Gott uns zuspricht. Diese Würde von Gott, die uns durch Christus zukommt, gibt uns eine besondere Autorität über die Mächte der Finsternis, sie schützt uns. Die Würde des Gotteskindes bedeutet auch eine besondere Begabung, die uns verpflichtet und uns in die Verantwortung nimmt. Sie macht uns darüber hinaus zum Teil der Gemeinschaft der Gläubigen.
Würdig des Evangeliums zu leben bedeutet also, sich selbst mit Gottes Augen zu sehen, alles zu hassen, was Gott hasst. Würdig des Evangeliums zu leben bedeutet, mit den Gaben Gottes zu dienen, so dass dieses Evangelium weitergegeben wird. Würdig des Evangeliums zu leben bedeutet, in Einheit mit den Schwestern und Brüdern zu leben: „… dass ihr fest steht in einem Geist und mit einer Seele!“
Würdig dieser Berufung zu leben bedeutet, alles zu unterbinden, was unter der Würde eines Gotteskindes ist und Galater 5 hilft uns, diese Merkmale zu erkennen (Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen). Paulus ermahnt uns, in uns zu gehen und zu reflektieren, ob wir im o. g. Sinne würdig der Berufung leben. Dies zu unserem Schutz, damit uns die Herrlichkeit unserer Berufung nicht verloren gehe. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Evangelium, Kind Gottes, Menschenwürde, Würde
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