Dienende Leiterschaft


»Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, allen Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, samt den Aufsehern und Dienern …« (Philipper 1,1)

Heute geht es um den letzten Teil des o. g. Verses. Paulus adressiert seinen Brief an die Heiligen in Philippi, an die durch das Blut Jesu Christi Erkauften und Auserwählten Gottes. Er nennt noch einmal besonders die Aufseher (griech.: episkopal) sowie die Diener (griech.: Diakonisse). Mit dem Aufseher ist eine Person gemeint, die eine Leitungsfunktion über eine Gemeinde oder mehrere Gemeinden versah. Mit dem Diener oder Diakon konnte speziell jemand gemeint sein, der „zu Tisch dient“, d. h. insbesondere für mildtätige Zwecke eingesetzt war. Generell konnten mit dem Begriff Diakon aber auch andere Tätigkeiten verbunden sein, wie die des Lehrers oder Hirten. Der Diener kann im weitesten Sinne als Mitarbeiter des Aufsehers in verschiedenen Funktionen verstanden werden. Paulus adressierte somit insbesondere die Personen in der Gemeinde, die Verantwortung für die Menschen und die Verkündigung trugen. Es handelte sich um Personen mit der Funktion der Leiterschaft.

Leiterschaft und Führung in der Kirche sind bisweilen schwierige Themen. Wenn wir über Leiterschaft nachdenken, so fallen uns verschiedene Führungsstile ein, welche aus der Managementtheorie inzwischen in den Gemeindedienst übergegangen sind. Es fallen uns unterschiedliche Formen der Ausübung von Leiterschaft ein, von eher demokratisch strukturierten Gemeinden bis hin zu sehr autoritären Formen der Leiterschaft. Sehr häufig ist das Thema Leiterschaft negativ besetzt, wir erinnern uns vielleicht an erlebte Konflikte und Machtspiele – auch und gerade in der Kirche –, die vielleicht sogar Verletzungen hinterlassen haben.

In den Gemeinden, die ein Spiegelbild der Gesellschaft sind, geht es auch oft um die Frage: „Wer hat hier das Sagen?“ Heute kommt mir dabei in den Sinn, dass es bei Jesus und Paulus im Hinblick auf die Leiterschaft weniger darum ging, wer das Sagen hatte, sondern vielmehr um die Frage, wer bereit war, für die anderen „sein Leben hinzugeben“ oder seinen „Kopf hinzuhalten“.

In Zeiten der Kirchenverfolgung waren die Leiter die ersten, die mit ihrem Leben für ihren Glauben und für die Gemeinde zahlen mussten. In diesen Zeiten Leiterschaft zu übernehmen, war weniger ein Privileg als vielmehr ein enormes Risiko. Leiter wie Paulus waren bereit, ihr Leben bis zur Aufopferung für die Sache Christi und die Christen hinzugeben und sie mussten aufgrund ihrer Bekanntheit jederzeit damit rechnen, gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet zu werden.

Wenn man Leiterschaft aus diesem, ich will sagen, christlichen, christusbezogenen Blickwinkel betrachtet, dann bekommt sie ein ganz anderes Aussehen. Jeder Christ mit Ambitionen für die Leiterschaft muss sich fragen: „Bin ich bereit, ggf. für meine Schafe, für meine Berufung zu leiden und zu sterben?“ Ich glaube, dass sich dann sehr schnell die Spreu vom Weizen trennen würde. Gerade in Zeiten der Verfolgung würde sich erweisen, welcher Art meine “Leitungsmotivation” war. Wenn wir in den Gemeinden (wenn ich persönlich) mehr von Christus als von menschlichen Lehrern lernen würden, dann würden sich viele Probleme von selbst erledigen.

Für Paulus ist beides eins: Leiter und Diener, Führer und Sklave. Nicht: „Wer hat das Sagen?“, sondern: „Wer ist bereit, den Kopf hinzuhalten?“ Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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