»Judas, Knecht Jesu Christi, aber Bruder des Jakobus, den Berufenen, die in Gott, dem Vater, geliebt und in Jesus Christus bewahrt sind: Barmherzigkeit und Friede und Liebe werde euch immer reichlicher zuteil!« (Judas 1,1-2)
Wir wenden uns nun gemeinsam dem ersten Brief des Judas zu. Unmittelbar zu Beginn seines Briefes macht auch Judas – so wie wir es auch bei Jakobus kennen gelernt haben – unmissverständlich deutlich, welchen „Status“ er hat: Judas ist ein Knecht und Diener Jesu Christi, d. h. er spricht nicht für sich selbst oder strebt nicht nach Erfüllung seiner eigenen Belange, sondern er hat sein Leben, seine Gedanken, seine Gefühle und Entscheidungen sowie sein ganzes Handeln dem Herrn Jesus und seinem Königreich gewidmet. Die Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang sofort ergibt ist: „Wenn ich in wenigen Sekunden meine Identität zusammenfassen sollte, käme ich dann darauf, mich als Knecht Jesu Christi zu beschreiben?“ Wie stark sind wir eigentlich von dem Bewusstsein durchdrungen, dass wir nicht mehr uns selbst gehören, sondern in allen Dingen ausschließlich Jesus dienen und seinen Willen erfüllen?
Haben wir ein alltägliches und umfassendes Sendungsbewusstsein, das immer alles dem Willen des Herrn Jesus unterordnet? Verstehen wir, dass alles in unserem Leben dazu dienen soll, dass die Herrschaft Christi in dieser Welt etabliert wird? Wie stark sind wir eigentlich in unseren alltäglichen Geschäften eingebunden, ohne ein Verständnis dafür zu besitzen, wie unsere Unternehmungen konkret in das Reich Gottes und in seine allumfassenden Pläne eingebunden sind? Ich denke es ist an der Zeit, neu unser Bewusstsein zu erwecken und die Interpretation unserer Selbst, das heißt unsere selbstbezogenen Deutungsmuster zu transformieren und uns neu zu sagen: wir sind nicht mehr und nicht weniger(!) als Diener des lebendigen Gottes und unser Leben gehört ihm.
Wir sind ebenso wie Judas Knechte Christi, weil auch Christus unser Knecht geworden ist und ein Schüler steht nicht über seinem Meister. Wir sind die Berufenen von Gott, sind von ihm geliebt und in Jesus Christus bewahrt! D. h. keine Macht der Sünde, des Todes oder der Finsternis kann uns mehr schaden oder uns aus der Hand Gottes entreißen. Wir sind in der Welt, aber nicht mehr von der Welt und brauchen uns nicht von Menschenfurcht, Scham oder Mutlosigkeit bestimmen lassen. Wir müssen uns nicht vor denen fürchten, die unserem Leib töten können, aber unsere Seele nicht. Wir verantworten uns allein vor Gott, sollen aber darauf bedacht sein, dass dieser auch will, dass wir seinen Willen tun und das Königreich Christi voranbringen.
Dabei handeln wir nicht aus Angst gegenüber Gott, sondern weil er uns tagtäglich seine Barmherzigkeit, seinen Frieden und seine Liebe zuteil werden lässt. Wenn wir fallen, richtet uns Gott wieder auf, wichtig ist nur, dass wir uns auf den Weg machen. Jeden Tag dürfen wir aus Gottes Liebe und Kraft schöpfen und dabei feststellen, dass diese nicht weniger, sondern immer mehr wird. Mehr Liebe und mehr Kraft, damit mehr und mehr von Christus in dieser Welt sichtbar wird, dessen Diener, Brüder und Schwestern wir sind, ebenso wie Judas! Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Diener, Identität, Knecht
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