»… damit ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt wird, zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes.« (Philipper 1,10-11)
Immer wieder stelle ich fest, dass Christen vergessen, welche Verantwortung sie als Kinder Gottes haben, und dass uns Paulus an anderer Stelle ermahnt, der Berufung gemäß würdig zu leben, die an uns ergangen ist. Als Christen sind wir gerechtfertigt durch das Blut Jesu Christi, was bedeutet, dass wir nicht in das Gericht übergehen, sondern das ewige Leben haben. Wir müssen jedoch beachten, dass es mindestens zwei verschiedene Gerichte gibt, welche uns in dem Neuen Testament beschrieben werden: das Endgericht über alle Ungläubigen am Ende der Zeiten und das Gericht über die Christen, nachdem sie zu Christus hin entrückt worden sind. Dieses Gericht entscheidet nicht über das Heil, da wir endgültig durch Christus erlöst worden sind. Dieses Gericht über die Christen urteilt darüber, wie wir als erlöste Jüngerinnen und Jünger unser Leben geführt, mit der Gnade gehaushaltet haben (vgl. 1. Korinther 3,12-13).
Es wird offenbar werden, aus welchen Materialien unser geistliches Haus besteht, ob aus Holz, Heu und Stroh oder aus Gold und Silber. Das Fundament ist unverrückbar, es ist Christus. Fraglich wird nur sein, was wir auf diesem Fundament gebaut haben. Paulus ermahnt uns immer wieder, mit unserem Heil und unserer Verantwortung nicht leichtfertig umzugehen und nicht nach dem Motto zu leben: „Jetzt bin ich erlöst, jetzt kann ich mich gehen lassen.“ Dies würde vielmehr eine falsche Herzenseinstellung offenbaren, denn wer von Gott geliebt wurde, will aus Liebe zu ihm Früchte der Gerechtigkeit hervorbringen. Es ist das Gebet des Paulus, dass die Philipper mit eben dieser Liebe zu Gott und mit Erkenntnis und Einsicht über den Willen Gottes erfüllt werden, dass sie an dem Tag Christi lauter und unanstößig sind. Ein fruchtbares Leben erwächst somit aus der Liebe und der Erkenntnis.
Das griechische Wort für lauter, „eilikrines“, trägt das Wort Sonne in sich und bedeutet soviel wie „im Licht der Sonne beurteilt“. Lauter zu sein bedeutet also – wie Paulus es im Epheserbrief ausdrückt – im Licht zu leben. Im Licht zu leben bedeutet, die Sünde nicht im Verborgenen zu halten, sondern offen und ehrlich vor Gott zu wandeln, Sünden zu bekennen und keine „fromme Schau“ nach außen hin zu betreiben, ohne inwendig wirklich in Hingabe und Liebe gegenüber Gott zu leben. „Im Licht der Sonne beurteilt“ bedeutet soviel wie im Licht Christi zu leben, der alle Finsternis vertreibt. Wir dürfen beständig unser Herz vor Christus ausschütten und ihm die dunklen Bereiche unseres Herzens offen legen. So wie ein Baum die Sonne braucht, um Frucht zu bringen, so brauchen wir das Licht und die Sonne Christi, um Frucht bringen zu können. Die Frucht ist durch Christus gewirkt, wie es im heutigen Andachtstext heißt. Deshalb können wir nicht sagen: „Ich konnte eben keine Frucht hervorbringen.“ In Christus steht uns alles zur Verfügung, was wir für ein fruchtbringendes Leben brauchen.
Jesus ist der Weinstock und wir sind die Reben. Jede verdorrte Frucht wird der Weingärtner von uns abschneiden, damit wir mehr Frucht bringen können. Dies ist mit „lauter“ oder mit „eilikrines – im Licht der Sonne beurteilt“ gemeint. Jesus ermahnt seine Jünger, dass eine Zeit kommen wird, in der nichts verborgen bleiben wird. Wir leben in der Zeit der Gnade, in der noch immer alles Stroh beiseite geräumt und ein gutes Haus gebaut werden kann. Besser jetzt im Licht und der Sonne zu leben, als das Stroh im Gericht brennen zu sehen. Die Sonne und das Licht sind nur dann unangenehm, wenn wir etwas zu verbergen haben. Ansonsten bringt sie Wärme, Freude und Frucht. Frucht der Gerechtigkeit, die zur Verherrlichung Gottes und zum Lobpreis Gottes führt. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Frucht, Gericht, Licht, Verantwortung
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