Ein produktives und fruchtbares Leben


»Wenn ich Artemas oder Tychikus zu dir senden werde, so beeile dich, zu mir nach Nikopolis zu kommen! Denn ich habe beschlossen, dort zu überwintern. Zenas, dem Gesetzesgelehrten, und Apollos gib mit Sorgfalt das Geleit, damit ihnen nichts mangelt! Lass aber auch die Unseren lernen, sich für die notwendigen Bedürfnisse um gute Werke zu bemühen, damit sie nicht unfruchtbar seien! Es grüßen dich alle, die bei mir sind. Grüße, die uns lieben im Glauben! – Die Gnade sei mit euch allen!« (Titus 3,12-15)

Paulus beendet den Titusbrief wie üblich mit persönlichen Mitteilungen und Grüßen. Er vergibt konkrete Arbeitsaufträge, aber auch solche allgemeiner Natur für die Gemeinden. Es geht im abschließend noch einmal darum, den Christen Mut zu machen, sich nicht „zurück zu lehnen“, sondern darum bemüht zu sein, sich umeinander und um die notwendigen Bedürfnisse zu kümmern und sich um gute Werke zu bemühen. Paulus scheint es sehr wichtig zu sein, dass die Christen auf Kreta ein fruchtbares und effektives Leben im Glauben führen und ich denke, dass dies für uns alle sehr wichtig ist. Interessanterweise werden hier Bedürfnisse und Werke zusammengeführt.

Dies liegt zum einen daran, dass es die guten Werke sind, mit denen die Christen den Bedürfnissen der Glaubensgeschwister, aber auch den Menschen in der Welt, begegnen sollen. Ich denke aber auch, dass es zu den Bedürfnissen des Menschen gehört, ein sinnvolles und nutzbringendes Leben zu führen. Dabei geht es nicht darum, die eigene Anerkennung und das Selbstwertgefühl allein auf das aufzubauen, was wir leisten, dennoch glaube ich, dass es in jedem Menschen als Bedürfnis angelegt ist, ein fruchtbringendes und „produktives“ Leben zu führen, so wie ein Apfelbaum dazu bestimmt ist, Äpfel als Frucht hervorzubringen. Ich denke, dass Fruchtbarkeit und Produktivität dem Lebensprinzip entsprechen, denn Leben bringt immer Leben und Früchte hervor.

Wir können körperlichen Mangel z.B. an Nahrung und Schlaf empfinden, wir können einen Mangel an Liebe und Geborgenheit empfinden, aber auch einen Mangel an Fruchtbarkeit, Effektivität, Kreativität und schöpferischer Tätigkeit, unter dem wir genauso leiden können, wie an allen anderen Mängeln. Bestimmte Konsequenzen des Sündenfalls, wie z.B. psychische Beeinträchtigungen aber auch gesellschaftliche Umstände führen manchmal zu Antriebslosigkeit, Mutlosigkeit oder einem Mangel an produktiver Motivation, doch all dies ist nicht von Gott und nicht heil. Christus will uns von all diesen Dingen heilen und uns ermöglichen, ein Leben zu führen, das Frucht hervorbringt und dadurch Gott die Ehre gibt. Niedergeschlagenheit, Faulheit und Unentschiedenheit rauben unsere Lebensfreude und Lebensenergie und verhindern sogar noch, dass wir zu einem Segen für die Menschen in unserem Umfeld und unsere Gesellschaft werden.

Ein fruchtbares Leben ist auch ein Ausdruck der Gnade Gottes, der Freude und der tätigen Liebe, d. h. die Werke sind immer auch ein Ausdruck der Liebe Gottes in unserem Herzen, der Liebe für uns, für Gott und für den Nächsten. Wenn wir gute Werke hervorbringen, dienen wir den Bedürfnissen anderer aber gleichzeitig unserem Bedürfnis, ein sinnvolles, segensreiches und fruchtbares Leben zu führen. Wir sollten uns niemals fallen lassen, sondern uns immer wieder darum bemühen, dass Gottes Gnade und Kraft sich voll in unserem Leben entfaltet. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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