Frieden in unseren Gedanken und Unbewußtem


»Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.« (Philipper 4,6-7)

Die Worte des heutigen Andachtstextes beschreiben die intrinsische Situation eines Christenmenschen, der sich in allen Dingen seinem Herrn und Gott anvertraut. Um es bildhaft zu beschreiben, könnten diese Worte eine Röntgenbildaufnahme der Seele des Christenmenschen darstellen. Diese intrinsische Situation besteht darin, dass das Herz eines solchen Christenmenschen von einem Frieden erfüllt ist, der allen Verstand übersteigt. Es geht hier also um die Dimension des Unbewussten, einer latenten Ebene, die viel tiefer liegt, als es unser Verstand ergreifen könnte. Zwar können wir diesen Frieden in unserem Bewusstsein wahrnehmen, aber er umfasst auch unser Unbewusstes. Dieser Friede geht bis an die Wurzeln jeglicher Angst und Scham im Herzen von Menschen.

Über diesen den ganzen Menschen umfassenden Frieden (Körper, Seele und Geist) hinaus verfügt der Christenmensch über heile Gedanken, die in Christus gegründet sind. Die Gedankenwelt, die Welt des menschlichen Geistes, bestimmt maßgeblich alle anderen Bereiche der Persönlichkeit des Menschen. In der Gedankenwelt verankert sind unsere Wahrnehmungsmuster, dort bilden wir unseren Willen aus, alles Gute oder Böse im Menschen entspringt gar in der Gedankenwelt. Wir sind – oder meinen zumindest das zu sein – was wir denken. So zumindest sieht es der Philosoph R. Descartes („Ich denke, also bin ich.“) und nicht nur er schätzt die Bedeutung unserer Gedanken für unsere eigene Identität sehr hoch ein.

In Christus zu sein, bedeutet zunächst einmal, dass unsere Gedanken in Christus sind, d. h. unsere Gedanken von den Gedanken Christi bestimmt werden. Dies wiederum beeinflusst den oben beschriebenen Frieden, denn obwohl der Frieden über unsere Gedankenwelt hinausgeht, spielt der göttliche Frieden in den Gedanken eine zentrale Rolle.

Diese Röntgenbildaufnahme des Innenlebens eines Christenmenschen im heutigen Andachtstext geht jedoch auch mit einer Anweisung darüber einher, was zu tun ist, wenn wir diesen Frieden und diese Gedanken nicht haben: wir sollen uns um nichts sorgen, sondern vielmehr

  • beten,
  • flehen und
  • danksagen.

Die aktive Hinwendung zu Gott im Beten, Flehen und in der Danksagung bewirkt – so Paulus – diesen Frieden. Dies nicht im Sinne eines Erleistens des Friedens, sondern einfach als Medium oder als Weg, auf dem der Friede und die Gedanken Christi zum Menschen kommen. Wenn wir also von Sorge, Angst und Scham überwältigt werden oder diese in kleinem Ausmaße (aber dafür chronisch) „an uns nagen“, dann gilt es, die Gegenwart Gottes zu suchen, um dort mit beiden Händen nach seinem Frieden und seinen Gedanken zu greifen. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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