»Denn das Leben ist für mich Christus und das Sterben Gewinn. Wenn aber das Leben im Fleisch mein Los ist, dann bedeutet das für mich Frucht der Arbeit, und dann weiß ich nicht, was ich wählen soll. Ich werde aber von beidem bedrängt: Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein, denn das ist weit besser; das Bleiben im Fleisch aber ist weit nötiger um euretwillen.« (Philipper 1,21-24)
Diese sehr tiefen Worte des Paulus, die sich mit Sterben und Tod auseinandersetzen, sind – so denke ich – der Tatsache geschuldet, dass Paulus in seiner Gefangenschaft zu jeder Zeit damit rechnen musste, für seinen Glauben hingerichtet zu werden, auch wenn er die „Freiheit“ besaß, weiterhin dem Evangelium zu dienen. Wie wir wissen, war dies letztlich auch seine Bestimmung. Er starb durch Hinrichtung, sehr wahrscheinlich durch das Schwert. Die Hoffnung der Auferstehung sowie des ewigen Lebens in Christus war für Paulus eine lebendige Hoffnung. Er selbst durfte bereits zu seinen Lebzeiten die Erfahrung machen, wie sich die himmlische Dimension „anfühlt“ und wusste bereits, was ihn in etwa nach dem Tode erwarten würde.
Paulus liebte Jesus so sehr und er lebte so sehr aus der unmittelbaren Gegenwart des Auferstandenen im Geist, dass er sich nichts sehnlicher erwünschte, als ganz und gar bei dem Herrn zu sein. Dies darf nicht etwa mit einer Todessehnsucht verwechselt werden, die auf eine psychische Störung hinweisen würde. Nein, Paulus hatte keine Sehnsucht nach dem Tod an sich, sondern nach Jesus, danach, ganz und gar bei Jesus zu sein. Paulus war es, der unsere Erkenntnis Christi als „mittels eines Spiegels undeutlich“ (1. Korinther 13,12) beschrieb, mit der Gewissheit, ihn eines Tages von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Genau dies war die Leidenschaft des Paulus. Er wusste genau, dass Sterben kein Ende ist oder etwas, wovor er sich fürchten müsste. Er wusste, dass sein Sterben ein Übergang in eine noch größere Herrlichkeit bei Christus sein würde.
Sein irdisches Leben auf der anderen Seite verband Paulus ganz und gar mit seinem Dienst an der Gemeinde und dem Königreich Gottes. So sehr er sich sehnte, ganz und gar bei Christus zu sein, so sehr wusste er um seine Verantwortung als Leiter und Lehrer, als Haushalter der Gnade Gottes für die Gemeinde sowie für die Verlorenen. Das Leben im Fleisch – so bezeichnete Paulus das jetzige, irdische Leben – bedeutete für ihn „Frucht der Arbeit“. Paulus wusste als Lehrer der Entrückung, dass es Christus möglich gewesen wäre, alle Christen unmittelbar nach der Wiedergeburt zu sich hin zu entrücken, aber er lässt sie hier auf Erden, weil sie einen Auftrag zu erfüllen haben (Matthäus 28,19-20). Insofern hatte das Leben im Fleisch für Paulus den einzigen Zweck, die „Frucht der Arbeit“ hervorzubringen, d. h. Menschen in die Jüngerschaft zu führen, sie zu lehren und zu begleiten.
Für mich persönlich haben diese Worte eine große Bedeutung und es berührt mich, wieder einmal zu sehen, von welcher Hingabe, Leidenschaft und von welchem Glauben Paulus „beseelt“ war. „Frucht der Arbeit“ verbindet beides: unsere Verantwortung, alles für den Herrn einzusetzen sowie die Tatsache, dass wir nichts hervorbringen können, wenn es nicht aus unserer Beziehung zu Christus heraus erwächst, das bedeutet aus Gnade durch den Geist! Wissen wir wie Paulus, dass allein bei Christus unsere wahre Heimat ist? Wissen wir wie Paulus, dass wir hier auf Erden verweilen um „Früchte der Arbeit“ hervorzubringen? Jetzt, da wir wieder neu darauf hingewiesen wurden, dürfen wir beten: „Herr, Du bist meine Sehnsucht und mein Ziel. Bewirke in mir Früchte der Arbeit durch deinen Geist, damit Menschen auferbaut und der Vater im Himmel verherrlicht werde!“ Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Arbeit, Auferstehung, Frucht, Früchte, Sterben, Tod
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