Geistliche Leiterschaft und Kommunikation


»… zu seiner Zeit aber hat er sein Wort offenbart durch die Predigt, die mir nach Befehl unseres Retter-Gottes anvertraut worden ist …« (Titus 1,3)

Geistliche Leiterschaft bedeutet, mit der Wahrheit Gottes umzugehen. Diese Wahrheit beinhaltet Erkenntnis über Gott und uns selbst, Erkenntnis unserer Berufung und Auserwählung, Erkenntnis der Hoffnung und der Verheißungen Gottes. Geistliche Leiter sind von diesen Erkenntnissen bestimmt und geben diese Erkenntnisse weiter. Darüber hinaus sind geistliche Leiter Vorbilder in der Gottseligkeit, d. h. in dem Wesen, das aus diesen Erkenntnissen erwächst. Woher kommen jedoch diese Erkenntnisse? Sie kommen aus dem Wort Gottes, das uns anvertraut worden ist und welches gepredigt wird. Die Predigt spielt also eine herausragende Rolle im Zusammenhang mit der geistlichen Leiterschaft. Was ist jedoch eine Predigt?

Das in dem Urtext des Neuen Testaments verwendete Wort für Predigt lautet „kerygma“, welches wiederum soviel bedeutet wie „Proklamation des Evangeliums“. Mit Predigt muss also nicht immer die klassische Form der Predigt gemeint sein, wie wir sie aus der Kirche kennen, sondern Predigt meint im Sinne des Neuen Testaments jegliche Kommunikation über das Evangelium. Wenn also die Predigt jegliche Kommunikation über das Evangelium meint, ist es also für den geistlichen Leiter (wir erinnern uns, dass wir alle in gewissem Sinne geistliche Leiter sind) wichtig, sich intensiv mit dem Thema Kommunikation und mit der Frage zu beschäftigen, wie das Evangelium kommuniziert werden kann.

In diesem Zusammenhang fällt mir beispielsweise ein „Urvater“ der pragmatischen Kommunikationstheorien und eine seiner „Erkenntnisse“ ein. Es geht um Paul Watzlawick und seine 5 Axiome der Kommunikation. Das erste Axiom lautet: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ In jeder Situation kommunizieren wir etwas, gleich ob verbal oder nonverbal. Jedes aktive oder passive Verhalten, jede Gestik und Mimik ist eine Form der Kommunikation. Auch wenn wir nichts sagen wollen, kommunizieren wir durch unser Schweigen. Wenn dieses Axiom stimmt (wovon ich überzeugt bin), bedeutet dies, dass wir immer predigen, im Sinne von „Kerygma“. Wir kommunizieren durch unsere Worte und unsere Taten, durch unser Reden und unser Schweigen.

Fraglich ist nur, ob wir durch unser Handeln und Reden wirklich das Wort Gottes offenbaren, welches uns anvertraut worden ist. Zunächst einmal müssen wir akzeptieren, dass wir berufen sind, das Wort Gottes zu predigen, zur Zeit und zur Unzeit und darüber hinaus müssen wir akzeptieren, dass wir gewissermaßen immer predigen, immer kommunizieren. Wir sind also immer auch ein Bild dessen, was wir glauben, ein Vor-Bild, sei es ein gutes oder ein schlechtes. Gerade weil wir nicht nicht kommunizieren können, ist es wichtig, dass wir uns selbst beständig reflektieren und fragen, ob wir noch das Wesen Christi in unserem Reden und Handeln widerspiegeln. Der Heilige Geist wird uns dann in alle Wahrheit leiten und uns verändern. Dann werden wir diese Veränderungskraft kommunizieren, mit oder ohne Worte. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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