Geistliche Vaterschaft


»Ich danke meinem Gott bei jeder Erinnerung an euch allezeit in jedem meiner Gebete und bete für euch alle mit Freuden wegen eurer Teilnahme am Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt.« (Philipper 1,3-5)

Paulus tritt als Mann des Gebets beständig für die Gemeinden und die Gläubigen ein. Viele der Gemeinden, an welche Paulus schreibt, sind selbst von ihm gegründet worden. Paulus sieht sich selbst als einen geistlichen Vater für die Christen an. Er selbst weist darauf hin, dass es viele Leiter und Vorsteher, aber wenige geistliche Väter gibt, welche in einer tiefen Liebe, Barmherzigkeit und Fürsorge Verantwortung für Menschen übernehmen. Geistliche Väter reflektieren die Liebe des himmlischen Vaters, die bedingungslos ist. Ein wunderbarer Archetyp für diese bedingungslose Liebe ist der Vater des verlorenen Sohnes, der seinen Sohn trotz seiner Fehler und Sünden bedingungslos und uneingeschränkt wieder aufnimmt.

Der Sohn erhält sogar den Ring als Zeichen der Sohnschaft, ein Siegel des Angenommenseins beim Vater, ein Symbol der Dazugehörigkeit. Ebenso wie der verlorene Sohn werden wir bedingungslos und uneingeschränkt von unserem himmlischen Vater geliebt und haben das Siegel des Heiligen Geistes empfangen. Ein geistlicher Vater ist jemand, der sich von Gott dazu gebrauchen lässt, Menschen diese bedingungslose und uneingeschränkte Liebe erfahren zu lassen. In vielen Gesprächen wird mir immer wieder neu deutlich, dass die Beziehung eines jeden Menschen zu seinem Vater von solch existenzieller Bedeutung ist, dass sie alle späteren Erfahrungen – in allen Lebensbereichen – nachhaltig beeinflusst. Unser Gottesbild wird maßgeblich davon geprägt, wie wir unseren eigenen Vater erlebt haben. Nicht selten projizieren wir unsere Erfahrungen mit unserem eigenen Vater in Gott.

Die frohe Botschaft des Evangeliums jedoch ist, dass der himmlische Vater viel größer ist als unser irdischer Vater, unser himmlischer Vater ist vollkommen und die Liebe in Person. Es ist das Ziel Gottes, dass wir an unserem ganzen Menschen heil werden und geborgen in der Liebe Gottes zu einer reifen und starken Persönlichkeit werden. Geistliche Väter im Sinne des Paulus dienen Menschen in diesem Prozess der Selbstwerdung. Das im heutigen Bibeltext verwendete Wort „Teilhaber“ heißt im Griechischen „koinonia“, was auch Partnerschaft oder Gemeinschaft bedeuten kann. „Teilhaber am Evangelium“ ist somit weniger eine sachorientierte Aussage, als vielmehr eine beziehungsorientierte Aussage. Ein Teilhaber am Evangelium ist Teil der Gemeinschaft der Gotteskinder, die bedingungslos und grenzenlos vom himmlischen Vater geliebt werden und deshalb einander bedingungslos und grenzenlos lieben dürfen. Welch übermenschlicher Anspruch! Gott sei Dank, ist es durch ihn möglich! Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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