Gemeinschaft des Geistes


»Wenn es nun irgendeine Ermunterung in Christus gibt, wenn irgendeinen Trost der Liebe, wenn irgendeine Gemeinschaft des Geistes …« (Philipper 2,1)

Das Thema der heutigen Auslegung ist die Gemeinschaft. Es lohnt sich, einen genauen Blick in alle hier aufgeführten Merkmale wahrer Einheit zu betrachten. Zunächst einmal spricht Paulus von der Ermunterung in Christus. Diese Ermunterung in Christus beinhaltet in umgekehrter Reihenfolge einen universellen und einen speziellen Part. Der universelle Part ist das gemeinsame „in Christus“ sein. Christus ist die Mitte, bei der wir zusammenkommen. Er ist der Zellkern dieser quasi organischen Gemeinschaft der Gemeinde. Einheit entsteht dort, wo einzelne Menschen die in Christus sind, zusammenkommen, um gemeinsam in Christus zu sein.

Der speziellere Part ist die Ermutigung. Dieses gemeinsame „in Christus sein“ wirkt sich in besonderer Weise aus. Die Wirkung dieser Gemeinschaft ist die Förderung des einzelnen Christen sowie der Freude. Die Gemeinschaft in Christus bewirkt, dass der Einzelne in seiner Persönlichkeit wächst, seine Gaben erkennt und sie zum Wohle aller einsetzen kann. In diesem Sinne führt Gemeinschaft dazu, dass Menschen ganz und heil werden, was wiederum Freude hervorruft. Die Gemeinschaft in Christus ist eine ermutigende Gemeinschaft, auch – und vielleicht gerade dann – wenn die Gemeinschaft Reibungspunkte und Konflikte mit einschließt.

Das nächste Merkmal neben der Ermutigung in Christus ist der Trost der Liebe. Ebenso wie die Gemeinschaft in Christus ermutigend und inspirierend im Sinne der Weiterentwicklung der Kompetenzen des Einzelnen wirkt, ermöglicht die Gemeinschaft auch Wiederherstellung und Heilung dort, wo wir an unsere physischen, psychischen und geistlichen Grenzen gestoßen sind. Gerade hierin ist die Gemeinschaft sogar Ausdruck des Wesens Christi, denn nur in ihr (bedingt durch die Aufteilung der Gaben) kann wirkliche Wiederherstellung und Heilung gelingen. Dieser Trost der Liebe, oder auch Beistand genannt, geht einher mit dem nächsten Merkmal, der Gemeinschaft des Geistes.

Eine Gemeinschaft in Christus ist immer eine Gemeinschaft des Geistes. Dies ist sehr wichtig, gerade im Hinblick auf das Verständnis dessen, worin sich eine Gemeinschaft in Christus wirklich von einer anderen erbaulichen Gemeinschaft unterscheidet. Auch in anderen „weltlichen“ Gemeinschaften kann es sein, dass Menschen ermutigt und getröstet werden. Der große Unterschied liegt darin, dass die Ermutigung und der Trost sowie alles andere, was eine Gemeinschaft hervorbringen kann, bei einer Gemeinschaft in Christus nicht menschlich ist, nicht den menschlichen Begrenzungen unterliegt und auf menschlichen Kapazitäten beruht, sondern auf der manifesten und übernatürlichen Gegenwart Gottes durch seinen Geist.

Ohne dieses Wirken des Geistes, unterscheidet sich jede noch so kirchliche oder religiöse Gemeinschaft nicht von einem Treffen irgendwelcher Selbstfindungsgruppen, philosophischer Zirkel oder Serviceclubs. Das manifeste Wirken des Geistes, also Gottes Gegenwart selbst, stellt den alles entscheidenden Unterschied dar.

Alle bisher genannten Merkmale (Freude, Friede, Ermutigung, Heilung und Trost) sind immer in der himmlischen Dimension gemeint. Wenn Kirche aufhört, diese Merkmale in der himmlischen Dimension – also durch den Geist – zu vermitteln, dann verliert sie ihr eigentliches Wesen und tritt nur noch in Konkurrenz zu den häufig gut gemeinten, aber im Gegensatz zu Gottes Geist unwirksamen Angeboten dieser Welt. Dann macht es wirklich keinen Unterschied, ob jemand an einer Gesprächsgruppe der örtlichen Volkshochschule oder an dem Bibelgesprächskreis der Gemeinde teilnimmt. Das Wirken des Geistes erfordert, immer wieder neu Gottes Angesicht im Gebet zu suchen, sich vom Geist und seinem Wort leiten zu lassen und es zu vermeiden, unsere menschlichen Schwächen durch ein noch so gutes „Programm“ zu kompensieren.

Wenn wir in unserer Schwäche zu Gott kommen und ihn bitten, seine Gegenwart und seine Stärke zu offenbaren, dann kann wirkliche Ermutigung, wirklicher Trost und wirkliche Heilung erfolgen. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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