Glaube und Werke


»Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein. Ist aber nicht ebenso auch Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg hinausließ? Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.« (Jakobus 2, 24-26)

Die Bibel legt ein lebendiges Zeugnis dafür ab, wie Menschen durch ihren Glauben gerechte Werke hervorbrachten. Wir sind Sünder und Gerechte zugleich, wie Martin Luther es sagt. Wir sündigen noch immer und dennoch sind wir in Jesus Christus gerecht vor dem Vater. Wir haben die Wahl, unsere Glieder als Waffen der Gerechtigkeit oder als Waffen der Ungerechtigkeit zu verwenden. Wir haben die Freiheit zu sündigen oder heilig zu leben und Gott die Ehre zu geben und das jeden Tag und in jedem Augenblick neu. Wenn wir gesündigt haben, unsere Sünden bekennen und um Vergebung bitten, ist Gott treu und gerecht und vergibt uns gerne. Er reinigt uns von Sünde und Schuld und stellt unsere Beine auf festen Grund und weites Land. Wenn wir fallen, dürfen wir wieder aufstehen und entgegengesetzt handeln. Wenn wir eben noch gesündigt haben, lassen wir uns reinigen mit dem Blut des Lammes und setzen nun unsere Glieder als Waffen der Gerechtigkeit ein.

Rahab war eine Hure, also nicht unbedingt eine Persönlichkeit, die wir mit sittlicher und moralischer Festigkeit in Verbindung bringen würden. Gleichzeitig war sie jedoch die einzige Person in ganz Jericho, die den Herrn Zebaoth fürchtete, als sie von seinen mächtigen Taten durch das Volk Israels hörte. Sie entschied sich für die Partei Gottes, versteckte die israelitischen Spione und vertraute sich dem Schutz Gottes an. Sie war eine Sünderin und doch widmete sie ihren Glauben und ihr Vertrauen Gott und setzte diesen Glauben in konkretes Handeln für die Sache Gottes um. Dieses Werk wurde auch ihr als Gerechtigkeit vor Gott zugerechnet. Wir erkennen immer wieder: Gott hat wirkliches Wohlgefallen an Glauben, der durch gerechte Werke tätig wird.

So wie der Leib ohne den Geist tot ist, ist auch der Glaube ohne die Werke tot, so sagt es uns der heutige Andachtstext. Die im Glauben wirksame Auferstehungsmacht Gottes, seine transformative Kraft, will den ganzen Menschen bestimmten und die sündhafte Natur des Menschen „überstimmen“. Es ist nicht das Ziel Gottes oder unser Ziel, den alten Menschen zu verbessern, sondern den neuen Menschen in uns Gestalt annehmen zu lassen. Wenn wir Glauben besitzen, schaut Gott nicht auf unsere Sünden, sondern auf unseren Glauben. Ihm geht es darum, ob wir trotz unserer Sündhaftigkeit zu allererst nach seinem Reich und nach seiner (tätigen) Gerechtigkeit trachten, weil wir ihn lieben.

Wir können uns ein Beispiel an Rahab nehmen, deren Glauben in ganz konkretem Handeln zum Wohle des Volkes Israels und damit zum Wohle des Königreiches Gottes zu dieser Zeit mündete. Der Glaube an Gott, an seine Verheißungen und die Werke sind nichts anderes, als sich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit beiden Händen nach der Erfüllung dieser Verheißungen auszustrecken und Gottes Handeln sehen zu wollen. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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