Heilung von Scham


»… nach meiner sehnlichen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts werde zuschanden werden, sondern mit aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt Christus an meinem Leib groß gemacht werden wird, sei es durch Leben oder durch Tod.« (Philipper 1,20)

Bei dem heutigen Bibeltext bringt ein Blick in „Strong´s griechisches Wörterbuch“ noch einmal einen sehr interessanten Aspekt – in sprachlicher Hinsicht – hervor, der eine Ergänzung zu der Tatsache darstellt, dass Paulus sich selbst bis zum Tod hingibt, wenn Christus nur durch ihn groß gemacht und verherrlicht wird. Paulus hegt die Hoffnung, so heißt es in der Revidierten Elberfelder Übersetzung, dass er in nichts zuschanden werde, sondern Christus in aller Freimütigkeit groß gemacht werde. Das griechische Wort für zuschanden, „aischunomai“, stammt von einem Verb ab, das soviel bedeutet wie „sich schämen“. Es könnte also auch übersetzt werden: „… dass ich in nichts werde beschämt werden“.

Scham und Angst sind zwei Gefühle, die einen Menschen maßgeblich bestimmen und Lebensqualität rauben können. Scham entsteht durch ein starkes Empfinden der Unzulänglichkeit und eines Mangels an Vertrauen in sich selbst und in seine Fähigkeiten. Das Gefühl von Scham kann dazu führen, dass Menschen nicht mehr fähig sind, funktionierende Beziehungen zu leben oder sich in bestimmten alltäglichen Dingen zu bewähren. Ich glaube, dass in dem Unterbewussten eines jeden Menschen – als Auswirkung des Sündenfalls und der Konsequenzen daraus – viel Scham verborgen liegt, der uns nicht selten unbemerkt beeinflusst. Das Gegenteil von einem starken Gefühl der Scham ist Schamlosigkeit, welches einen Mangel an Sensibilität und Empfinden von natürlichen und gesellschaftlichen Grenzen darstellt. Auch diese Schamlosigkeit kann zu Störungen in Beziehungen, gar zu Störungen der Persönlichkeit führen. Schamlosigkeit grenzt aus und macht unbeliebt.

Das Gefühl von tief liegender Scham oder Schamlosigkeit entsteht bereits sehr früh, denn bereits in der frühen Kindheit kann durch die Beziehung zu den Eltern, anderen Personen und Ereignissen, Scham hervorgerufen werden. Besonders schamvolle Ereignisse versuchen wir dabei zu verbergen, aus Angst, ihre Offenbarung würde die gesellschaftliche Stellung gefährden. Über die frühkindliche Prägung hinaus können viele weitere Lebenssituationen Scham hervorrufen, die uns dann hemmt und unfrei macht. Paulus war in einer solchen Situation, die damals insofern Scham hervorgerufen hat, weil ein Insasse eines Gefängnisses keine gesellschaftliche Anerkennung zu erwarten hatte. Etwas, was eigentlich Scham hervorrufen würde, verwandelt sich bei Paulus jedoch in Freimut.

Gott kann und will uns von aller Angst und Scham heilen. Er kann frühkindliche Ursachen für Scham in unseren Herzen heilen und er kann uns soviel Mut und Liebe schenken, dass wir uns jetzt nicht länger schämen müssen. Ich glaube sogar, dass Gott uns ganz konkret von aller Scham befreien will, welche verhindert, dass wir unsere Berufung wahrnehmen und uns weiterentwickeln können. Nicht nur kann uns Gott von aller Scham und Angst befreien, sondern uns auch mit ganz neuem Freimut zurüsten – allgemein und insbesondere im Zusammenhang mit dem Bau des Reiches Gottes in unserem Umfeld. Wir dürfen Gott getrost bitten, uns in seiner unendlichen Liebe auf alle “dunklen Flecke” hinzuweisen und besonders die verborgene Angst und Scham zu heilen und uns neu mit seinem Freimut zu erfüllen, damit wir mutig Jesus Christus verkünden. Nun jedoch nicht allein mit Worten, sondern mit einer Begeisterung, die mit einer kontinuierlichen Heilung der Scham einhergeht. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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