»Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu (…)« (Philipper 1,1)
Wenn es darum geht, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, wenn es gilt, Menschen von der eigenen Meinung zu überzeugen, dann kann es sehr gut und hilfreich sein, zunächst einmal auf den oder die eigenen Titel, die eigenen Referenzen zu verweisen. In dieser Welt zählen dabei Faktoren wie der akademische Grad oder sonstige gesellschaftliche Titel, Berühmtheit oder andere besondere Leistungen, die bisher erbracht worden sind. Paulus hätte als ein Musterschüler des großen Gelehrten Gamaliel, als ein herausragender Gelehrter und Apostel der Nationen genügend Möglichkeiten gehabt, sich zu Beginn des Briefes hervorzuheben. Doch was tut er stattdessen? Er bezeichnet sich und seinen engsten Mitarbeiter Timotheus als Knechte oder Sklaven (gr. Doulos).
Ein Knecht oder Sklave zu sein, ist mit Sicherheit nicht sehr erstrebenswert und auch nicht mit sehr viel Anerkennung verbunden. Im Gegenteil: die Sklaverei steht für Unterdrückung, Entwürdigung und Entmündigung. Mit Schrecken erinnern wir uns an die Bilder im Zusammenhang mit der Sklaverei der Schwarzen in den Vereinigten Staaten oder aber an Berichte über die Sexsklaverei in Südostasien. Wie also kommt es, dass sich Paulus selbst als Knecht oder Sklave bezeichnet? Sicherlich geht es ihm nicht darum, menschliche Sklaverei hervorzuheben, sondern es geht ihm meines Erachtens darum, zu verdeutlichen, dass er sich ganz und gar mit Christus und seiner Berufung identifiziert. Es geht ihm um einen besonderen Ausdruck der Hingabe an Christus und an die Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums.
Paulus sagt, dass er mit “Haut und Haaren” Christus gehört, er sich Christus ganz und gar “verschrieben hat”. Die Identität des Paulus ist so sehr mit Christus verwoben, dass er sich selbst als diesem vollkommen zugehörig fühlt. Sicherlich hat er dabei im Blick, dass der Sohn Gottes zuerst die Knechtsgestalt annahm, um ihn, Paulus, und auch uns alle von der Knechtschaft der Sünde und der Finsternis zu befreien.
Mich selbst rüttelt die Bibelstelle insofern auf, als dass ich mich neu hinterfrage: „Was ist meine Identität? Womit identifiziere ich mich am meisten, worauf berufe ich mich, worauf verweise ich, wenn es darum geht, Menschen zu überzeugen? Will ich Menschen von mir oder von Christus überzeugen?“ Der heutige Text lehrt mich neu, das Wesen der Demut Christi zu reflektieren und schon zu Beginn des Jahres eine entscheidende Weiche zu stellen: „Ich will von Paulus lernen, ein Leben zu führen, in welchem Christus alles ist, Ausgangspunkt und Ziel. Dieses Jahr soll nicht zu meiner, sondern seiner Ehre dienen.“ Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Identität, Knecht, Sklave
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