Korrumption des Herzens


»Denn es gibt viele Aufsässige, hohle Schwätzer und Betrüger, besonders die aus der Beschneidung, denen man den Mund stopfen muss, die ganze Häuser umkehren, indem sie um schändlichen Gewinnes willen lehren, was sich nicht geziemt. Es hat einer von ihnen, ihr eigener Prophet, gesagt: »Kreter sind immer Lügner, böse, wilde Tiere, faule Bäuche.«  Dieses Zeugnis ist wahr.« (Titus 1,10-13)

Es ist sehr wichtig, seine eigenen Vorurteile zu erkennen und sie abzubauen, aber eben so wichtig ist es, Dinge beim Namen zu nennen. Dies tut Paulus in dem heutigen Andachtstext. Diese sehr bekannte Stelle regt den ein oder anderen zum Schmunzeln oder aber zur Verärgerung an, ich denke jedoch, dass Paulus sehr wohl abgewogen hat, was er hier an dieser Stelle schreibt. Meines Erachtens greift er tendenzielle anthropogene oder soziokulturelle Besonderheiten der Kreter der damaligen Zeit auf, die dem Wesen eines geisterfüllten Leiters in der Gemeinde konträr entgegen standen. Es schien in den Städten Kretas eine Gruppe von Judaisten zu geben, die sich in den Gemeinden ausbreiteten, in die Häuser der Familien gingen und sich als Lehrer aufdrängten, nur um hohles Geschwätz und Unwahrheiten weiterzugeben und sich dadurch noch bereichern wollten.

Ich denke, dass die o. g. Beschreibung der Kreter auf viele Menschen passt und auch jeder Einzelne von uns tendenziell dort wiederzufinden ist, denn es handelt sich um typisch menschliche oder besser gesagt sündhafte Züge. Der Mensch bedient sich der Lüge, wenn er sich nicht der Wahrheit Gottes aussetzen will und genau dies ist es, wohin ihn die Sünde treibt. Die Lüge und die Begierde machen den Menschen böse und hinterlistig, ich-bezogen und letztlich auch faul. All diesen Tendenzen im eigenen Herzen soll ein geistlicher Leiter entgegen stehen, d. h. die von Paulus beschriebenen Personen stellen quasi genau den Antitypus eines guten geistlichen Leiters dar: von der Lüge und eigenen Begierden bestimmt, geldgierig, betrügerisch und letztlich faul.

Ich denke, dass jeder geistliche Leiter, jeder Leiter überhaupt, Gefahr läuft, diesen Tendenzen nachzugeben. Leiter fangen an, sich nicht mehr für das Wohl der Mitarbeiter oder der Organisation zu kümmern, sondern nur noch um ihr eigenes Wohl. Sie werden geldgierig, intrigant und fallen Kollegen in den Rücken. Letztlich machen sie nur noch das, was zwingend für ihr eigenes Fortkommen notwendig ist und lassen alles andere fallen. Das Herz solch eines Leiters ist korrumpiert und vor eben solch einer Korrumption soll sich der geistliche Leiter, sollen alle Mitarbeiter im Königreich Gottes, sich hüten. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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