Leben mit Vision


»… und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist …« (Philipper 2,7-9)

Ich komme an dieser Stelle noch einmal auf den Aspekt der Vision zurück. Wir erinnern uns an die Definition von Vision als eines Bildes der Zukunft, das Begeisterung auslöst. Eine Vision ist also ein inneres Bild von der Zukunft, das angestrebt wird. Eine Vision ist wie ein gutes Ziel, geht aber darüber hinaus. Meist besteht eine Vision aus der Summe einzelner Ziele, die gemeinsam einen übergeordneten Zweck ver­folgen. Ich denke hierbei an Wilberforce, der im Kampf gegen die Sklaverei in England konkrete Ziele – wie z. B. Gesetzesvorgaben – erreichen wollte, die in der Summe eine gesamtgesellschaftliche Vision verfolgten, nämlich die völlige Beseitigung der Sklaverei.

Eine Vision hat meines Erachtens somit immer auch etwas mit Veränderung der Gesellschaft, der Menschheit zu tun, will sie ein Bild der Zukunft sein, das Begeisterung auslöst. Wirkliche Begeisterungen kann nur eine Vision hervorrufen, die diese Welt zu einer besseren Welt machen will und den Menschen darin, die gefangen sind in Sünde und Schuld, Befreiung und Erneuerung bringt. Eine Vision hebt den Menschen über seine eigenen Belange und seine Bedürfnisse hinaus und ordnet sein Leben einem höheren, kollektiveren Sinn zu. Dabei verfügen solche Visionen der Veränderung und Erneuerung in diesem Zusammenhang über eine weitere herausragende Eigenschaft: sie versetzen den Menschen in die Lage, vordergründige, eigene Interessen und Bedürfnisse für den größeren Zusammenhang zurück zu stellen. Um bei dem obigen Beispiel zu bleiben, opferte Wilberforce seine Gesundheit und seine gesellschaftliche Anerkennung diesem Ziel der Abschaffung der Sklaverei. Er ordnete seine Gefühle und seinen Willen dieser Vision unter. Visionen verhelfen dem Menschen zu der Bereitschaft, Opfer zu bringen.

Das größte Opfer der Weltgeschichte wurde jedoch von Jesus Christus, dem Sohn Gottes dargebracht. Er war von der Vision bestimmt, die Menschheit von der Macht der Sünde und des Todes zu befreien und verlorene Sünder zurück zum Vater zu führen. Jesus war durch die Vision der Befreiung und Erneuerung der Menschheit gewillt, sein ganzes Leben diesem Zweck unterzuordnen. Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, er stellte nicht nur seine eigenen Bedürfnisse und sein Wohlergehen zurück, sondern auch seine Nähe zum Vater, seine göttliche Macht, und gab sein Leben hin für uns! Jesus war bereit, sich selbst zu erniedrigen, um die Vision seiner Erhöhung zu erfüllen. In all seinem Leiden konnte er dieses Ziel fest vor Augen haben: er würde nach seinem Tode auferstehen, erhöht und verherrlicht werden.

Diese Vision der Erhöhung und Verherrlichung war jedoch keine eigennützige Vision, sondern sie war und ist immer im Kontext jenes Psalmwortes zu verstehen, das beinhaltet, dass die Erhöhung des Messias bedeuten würde, dass Gefangene befreit und mitgeführt würden. Die Vision der eigenen Verherrlichung war bei Jesus immer die Vision der Mitverherrlichung seiner Nachfolger, der Kinder Gottes, die von der Finsternis in sein Licht befreit würden. Sind auch wir bereit, unser Leben und unsere eigenen Bedürfnisse oder persönlichen Ziele dieser Vision unterzuordnen? Darin können und dürfen wir Erfüllung finden. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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