Leben mit Vision


»… nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tut, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen!« (Philipper 2,3-4)

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf die Merkmale der geistlichen Gemeinschaft zurückgreifen, um die es in der gestrigen Andacht ging. „Eines Sinnes“ sein hat meines Erachtens drei Ebenen, die Ebene der einheitlichen Lehrmeinung, die Einheit in der gemeinsamen Vision und die Ebene des gemeinsamen Willens. Diese kognitiven Ebenen werden von der Ebene der hingegebenen Liebe zueinander getragen. In der Summe ist es eine Einheit in der Sache und eine Einheit in den Beziehungen. Diese beiden Seiten, die Einheit in der Sache und die Einheit in den Beziehungen bedingen einander. Ich möchte heute verdeutlichen, welche Kraft die gemeinsame Vision hat und wie eine Vision die Liebe zueinander und Hingabe ermöglichen kann.

Eine Definition von Vision lautet: „Eine Vision ist ein Bild von der Zukunft, das Begeisterung auslöst.“ Welches Bild von der Zukunft ruft bei mir persönlich Begeisterung hervor? Welches gemeinsame Bild der Zukunft ruft in unserer geistlichen Gemeinschaft Begeisterung hervor? Dieses Bild sollten wir einmal genau unter die Lupe nehmen. Wenn das „Ich“ im Mittelpunkt steht, also das eigene Vorankommen, der eigene Erfolg und Ruhm, dann liegt das vor, was Paulus im heutigen Andachtstext beschreibt: „Eigennutz oder eitle Ruhmsucht“. Wenn das Bild, welches Begeisterung hervorruft, jedoch ein Bild der Menschen unserer geistlichen Gemeinschaft ist, welche von Freude erfüllt sind, ihre Berufung leben, in der Kraft und Autorität des Geistes wandeln und Früchte des Lebens hervorbringen, dann ist es eine Vision nach dem Wesen Jesu.

Löst es in mir Freude und Begeisterung aus, wenn andere Christen stark werden, Gottes Segnungen erfahren und deshalb Gott loben? Oder besteht mein Bild der Zukunft nur darin, selbst gesegnet zu werden? Sehen wir nur auf das unsere oder sehen wir auf das Wohl des anderen in Christus? Ist es meine Erfüllung, zu sehen wie andere Menschen Erfüllung finden? Diese Frage, vor allen Dingen jedoch die Aufforderung des Paulus, den anderen höher zu achten als sich selbst, klingt zunächst einmal sehr abgehoben und realitätsfremd. Dies ist jedoch nicht wahr. Darin Erfüllung zu finden, wenn der Nächste Erfüllung findet oder den anderen höher zu schätzen, als sich selbst, ist unter Berücksichtigung eines Umstandes wirklich nicht so schwer:

Wenn ich der festen Überzeugung bin, dass der Nächste der Schlüssel dazu sein kann, dass Christus verherrlicht wird, das Reich Gottes Gestalt annimmt und das Evangelium verkündet wird, dann ist es eine Ehre diesem Menschen dienen und ihn höher achten zu können, als sich selbst. Wenn ich weiß, dass das Zurückstellen eigener Wünsche dazu führen kann, dass ein Christ zugerüstet wird und durch meinen Dienst Durchbrüche erlebt, Früchte trägt und die Sache Christi voranbringt, dann erfüllt es mich mit Freude. Jeder, dem ich diene, könnte der nächste Erweckungsprediger, Gesellschaftsreformer oder die größte Fürbitterin unserer Zeit werden. Es ist nicht sehr schwer, annehmen zu können, dass in anderen ein noch größerer Schatz an Begabungen verborgen liegt, wenn ich weiß, dass ich helfen kann, diesen zu bergen!

Dieses Bild des Durchbruchs für das Evangelium, dieses Bild der Erweckung, dieses Bild von Straßen erfüllt mit dem Lobpreis Gottes begeistert mich. In einer Gemeinschaft, die diese Vision hat, kann der eine den anderen höher schätzen als sich selbst, weil jeder der Schlüssel für das Wahrwerden dieser Vision sein kann. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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