Leiden und Fülle


»Sowohl erniedrigt zu sein, weiß ich, als auch Überfluss zu haben, weiß ich; in jedes und in alles bin ich eingeweiht, sowohl satt zu sein als auch zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als auch Mangel zu leiden. Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.« (Philipper 4,12-13)

Paulus hat als Apostel Jesu Christi, als Gesandter und Botschafter des Evangeliums alle Arten der Verfolgung erlebt. Wer die Missionsreisen des Paulus in der Apostelgeschichte aufmerksam verfolgt, wird feststellen, dass es kaum etwas gab, was Paulus nicht für seinen Herrn und Meister Jesus Christus hat hinnehmen müssen. Deshalb ist es keineswegs übertrieben, wenn Paulus in dem heutigen Andachtstext schreibt, dass er in alles eingeweiht worden ist. Er kennt die Erniedrigung genau, er kennt aber auch den Überfluss und die liebevolle Versorgung Gottes.

Paulus war bereit, für die Sache Jesu Christi seine Rechte und Ansprüche aufzugeben. Sein einziger Anspruch war es, dass Jesus Christus gepredigt wird, zur Zeit und zur Unzeit. Paulus wusste sich dabei in der Nachfolge dessen, der ebenfalls bereit war, alle seine Rechte und Privilegien für die Sache Gottes niederzulegen: Jesus Christus. Jesus kam aus der unmittelbaren Gegenwart Gottes, er war vollkommen eins mit ihm. Jesus verließ den Vater, kam zu uns auf die Erde und wurde so wie wir. Christus war bereit, alle Schmerzen und Nöte der Menschen auf sich zu nehmen und somit in alles eingeweiht zu werden.

Christus wurde erniedrigt bis zum Tod am Kreuz, der Tod eines Verbrechers. Dabei nahm er sogar die völlige Trennung von seinem himmlischen Vater in Kauf. Gerade hierin jedoch unterscheidet sich das Leiden Christi von dem des Paulus und von dem jedes anderen Christen nach ihm. Zwar müssen Christen wie ihr Meister für den Glauben Leiden auf sich nehmen, aber dennoch werden diese Leiden sie niemals mehr vom Vater, von seiner Gegenwart, seiner Fürsorge und dem Wirken seines Heiligen Geistes trennen. Im Gegensatz zu Jesus, der diese Trennung zu Gott stellvertretend für uns auf sich nahm, stehen uns die Pforten des Himmels und die Segnungen Gottes in Jesus Christus zu jeder Zeit(!) zur Verfügung.

Gleich, was uns auch in dieser Welt antreffen mag, wir sind nicht mehr von dieser Welt und alle Schätze der himmlischen Welt stehen uns schon jetzt und hier zu Verfügung. D. h. in jeder Situation wirkt in uns und durch uns die Kraft des Heiligen Geistes, die Auferstehungsmacht Christi. Dessen einzigartiges Leiden ermöglicht es uns, in allen Situationen Überwinder zu sein, weil nichts und niemand uns von der Liebe, Fürsorge und Kraft Gottes trennen kann! Paulus sagt: „Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.“ und Jesus sagt, „Dem Glaubenden ist alles möglich.“ (Markus 9,23)

Jesus Christus starb nicht am Kreuz von Golgatha, damit wir unser Leben in der Niederlage, der Kraftlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Wirkungslosigkeit weiterleben wie zuvor! Christus starb am Kreuz und er ist auferstanden, damit wir durch ihn im Sieg, in der Kraft, in der Hoffnung und in den vorbereiteten Werken wandeln und Gott dadurch die Ehre gegeben wird! Christus kräftigt uns in allen Zeiten, so dass wir alles in ihm vermögen. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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