Liebe und Glauben


»Ihr aber habt den Armen verachtet. Unterdrücken euch nicht die Reichen, und ziehen nicht sie euch vor die Gerichte? Lästern nicht sie den guten Namen, der über euch angerufen worden ist? Wenn ihr wirklich das königliche Gesetz „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ nach der Schrift erfüllt, so tut ihr recht. Wenn ihr aber die Person anseht, so begeht ihr Sünde und werdet vom Gesetz als Übertreter überführt.« (Jakobus 2,6-9)

In der gesamten Bibel finden wir sowohl Beispiele für gute und weise als auch für schlechte und zerstörerische Partnerschaften und Bündnisse. Das Volk Israels lebte innerhalb eines Bündnisschlusses mit Gott, der ihnen Fürsorge, Führung und Segen von Gott versprach. Im Gegenzug dazu sollte das Volk Gott vertrauen und ihm gehorsam sein. Immer wieder brach das Volk Gottes dieses Bündnis und wandte sich anderen Bündnispartnern zu. Regelmäßig warnte Gott das Volk Israel durch Propheten vor falschen Bündnispartnern, die zwar augenscheinlich hilfreich und nützlich wirkten, faktisch jedoch nur Tod und Verderben über das Volk brachten.

Immer wieder ging das Volk Israel Bündnisse mit Völkern und Regenten ein, die dem Anschein nach sehr mächtig und einflussreich waren, um sich vor Aggressoren zu schützen, anstatt Schutz bei Gott zu suchen. Mal schlossen sie z. B. ein Bündnis mit den Ägyptern, um sich gegen die Assyrer zu schützen oder sie suchten Schutz bei Göttern anstatt bei dem einzigen lebendigen und wahren Gott. Auf welcher Grundlage trafen sie dabei ihre Wahl? Sie trafen ihre Wahl nach menschlichem und fleischlichem Ermessen. Dabei wählten sie häufig diejenigen als Bündnispartner, die nur auf die Versklavung und Vernichtung des Volkes Israels aus waren und schmiegten sich somit in die Arme des eigentlichen Feindes. Dabei brachen sie den Bund mit demjenigen, der sie wirklich liebte und darüber hinaus alle Macht im Universum innehatte.

In dem heutigen Andachtstext geht es um denselben fatalen Fehler: Die Adressaten des Jakobus zogen bestimmte Menschen vor, nur weil sie augenscheinlich einflussreich, mächtig oder reich waren ohne dabei zu merken, dass sie gerade diejenigen bevorzugten, die ihnen den größten „Ärger“ bereiteten. Dabei begingen sie einen Fehler in zwei Richtungen: vertikal und horizontal. Vertikal, indem sie dabei ihre Partnerschaften nicht mit den Augen des Glaubens auswählten und somit nicht wirklich Gott, sondern dem menschlichen Ermessen den Vorrang gaben und horizontal, weil sie denjenigen gegenüber lieblos handelten, die von Gott auserwählt und ihre eigentlichen Geschwister waren.

Hier erkennen wir wieder den Zusammenhang zwischen Liebe und Glauben. Wir „lieben“ das, was nach unserem fleischlichen Ermessen wertvoll, attraktiv oder von nutzen ist. Wir lieben entsprechend unserer Wahrnehmung und Bewertung, fraglich ist also, worauf unsere Wahrnehmung und Bewertung beruhen, auf dem Geist oder dem Fleisch. Als Gottes Kinder sollen wir nicht mehr nach unserem fleischlichen Ermessen lieben, sondern nach dem geistlichen Ermessen, also dem Glauben. Wir sollen uns selbst und den Nächsten lieben, weil wir erkannt haben, wie Gott uns und ihn sieht. Wir treffen unsere Entscheidungen für Partnerschaften nicht mehr nach menschlichem, sondern nach geistlichem Ermessen. Wenn wir wirklich beginnen, einander mit den Augen des Glaubens zu sehen, wird Nächstenliebe möglich sein. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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