Lügen – eine Folge der Angst


»Vor allem aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit irgendeinem anderen Eid! Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht unter ein Gericht fallt.« (Jakobus 5,12)

Jakobus ist der Apostel des Mundes, so könnte man im Hinblick auf seinen Brief sagen. Auch heute geht es wieder darum, was wir reden. Jakobus ermahnt uns, integer zu sein in dem, was wir sagen. Wir sollen nicht schwören, noch einen Eid leisten, sondern vielmehr soll das, was wir sagen, Bestand haben, zuverlässig und vertrauenswürdig sein. Ein Eid oder ein Schwur hat die Absicht, in besonderer Art und Weise zu garantieren, dass es sich bei dem Gesagten nicht um eine Lüge, eine Unwahrheit, eine Falschaussage oder ein falsches Versprechen handelt. Dieser Art von Garantie ist in dem Falle unnötig, wenn wir ohnehin nur die Wahrheit sagen und keine Falschaussagen oder falsche Versprechungen machen.

Wenn wir uns ehrlich reflektieren müssen wir jedoch feststellen, dass es immer noch viel Falsches in unserem Herzen gibt. Noch immer flunkern wir manchmal, verdrehen die Tatsachen, halten Informationen zurück oder lügen geradewegs. Wir bemühen uns um eine integere Rede und dennoch geschieht es uns manchmal doch, dass wir die Wahrheit verzerren, um daraus Vorteile zu erhalten oder zumindest Nachteile zu vermeiden. Wir über- oder untertreiben, erfinden Dinge oder aber lassen Dinge unter den Tisch fallen. Bestimmte Redewendungen offenbaren diese Tatsache, wie z. B.: „Mal ganz ehrlich“, oder „Ich will jetzt mal ganz offen reden.“ Woher kommt diese unterschwellige Tendenz zur Unwahrheit?

Meines Erachtens ist die Wurzel dieser Tendenz in der Angst zu finden. Wann immer wir Angst vor mangelnder Anerkennung, Aufdeckung von Schlechtem in uns, Ablehnung oder bestimmten Konsequenzen der Wahrheit haben, verzerren wir sie. Angst wiederum geht einher mit Misstrauen gegenüber Gott und anderen Menschen sowie Unglauben. Wenn wir Gott und Menschen misstrauen meinen wir, uns selbst durch Lügen oder „Halbwahrheiten“ schützen zu müssen. Wir glauben, anderen Menschen gegenüber Informationen zurückhalten zu müssen, weil wir ihnen nicht vertrauen und Angst davor haben, was geschieht, wenn andere Menschen die Wahrheit erfahren.

Unsere Rede ist durchzogen von taktischem Kalkül, Diplomatie und Vorsicht, weil wir so erzogen wurden. Diese Tendenzen sind sehr stark und wir brauchen die Liebe Gottes, seine Kraft, viel Vertrauen in Gott, Hoffnung und die Freiheit von Angst, wenn wir die Vorherrschaft der Lüge in unserem Leben brechen wollen. Wenn wir uns von Gott geschützt und geborgen wissen, müssen wir uns nicht fürchten, wenn wir glauben, dass Gott uns liebt und bedingungslos annimmt, müssen wir keine Ablehnung fürchten oder Anerkennung durch Über- oder Untertreibung erhaschen. Je ganzer und heiler wir werden, je mehr wir vom Vertrauen und Glauben an Gottes Wort und sein Wesen bestimmt werden, je mehr wir unsere Furcht und unseren Mangel verlieren, desto mehr wird unser Ja ein Ja und unser Nein ein Nein sein. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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