Merkmale geistlicher Leiterschaft


»Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste einsetzen solltest, wie ich dir geboten hatte; wenn jemand untadelig ist, Mann einer Frau, gläubige Kinder hat, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder aufsässig sind.« (Titus 1,5-6)

Wir wollen das Studium des Titusbriefes an dieser Stelle fortsetzen und dabei im Blick behalten, was wir bereits lernen durften. Paulus behandelt Titus wie einen Vater und gibt damit ein Vorbild für geistliche Leiterschaft ab. Des Weiteren weist er Titus darauf hin, dass geistliche Leiterschaft auf Erkenntnis und Gottseligkeit basiert sowie auf der Gnade und dem Frieden Gottes, ohne die die besonderen Herausforderungen der geistlichen Leiterschaft nicht gemeistert werden können. In den Versen des heutigen Andachtstextes und den darauf folgenden, geht Paulus noch etwas intensiver darauf ein, welchen Charakter ein geistlicher Leiter als Vorbild haben sollte.

Zuvor jedoch erinnert Paulus Titus, weshalb er ihn als Leiter auf Kreta einsetzte: er sollte in Ordnung bringen, was noch mangelte und in jeder Stadt Älteste einsetzen. Geistliche Leiterschaft hat also auch mit Organisation und Ordnung zu tun, ein geistlicher Leiter richtet eine Ordnung auf, in der Einzelne sich entfalten können. Darüber hinaus sind geistliche Leiter immer Personen, die wiederum andere für die geistliche Leiterschaft einsetzen und zurüsten. Interessanterweise finden wir im Neuen Testament immer wieder das Prinzip der geistlichen Leiterschaft nicht über einzelne Gemeinden in der Stadt, sondern das Prinzip der einen Gemeinde in der Stadt, über die Älteste eingesetzt sind. Viel spricht dafür, dass zur Zeit der Urgemeinde alle Christen einer Stadt sich als eine Gemeinde betrachteten.

So wie Paulus Titus einsetzte und ermächtigte, so soll auch Titus andere Christen als Älteste einsetzen und ermächtigen. Dies ist eben das, was auch Jesus mit seinen Jüngern tat und dies ist es auch, was wir tun sollen. Andere Christen sollen ermächtigt werden, ihre Stellung im Königreich Gottes einzunehmen. Diese Menschen sollen sich jedoch in der Erkenntnis und der Gottseligkeit erweisen sowie ihrer Abhängigkeit von der Gnade und dem Frieden Gottes. Weitere Merkmale sind, dass geistliche Leiter

  • untadelig sein sollen,
  • verheiratet,
  • mit gläubigen Kindern, die kein ausschweifendes Leben führen und aufsässig sind.

Wann immer Paulus konkrete Anweisungen gibt, muss die Frage gestellt werden, inwiefern seine Aussagen genereller oder spezieller Natur für die jeweilige Region sind. Wenn dies unklar ist, muss die jeweilige Aussage im Licht des Gesamtkontextes betrachtet werden, so z. B. die Frage danach, ob nur ausschließlich diejenigen geistliche Leiter sein dürfen, die verheiratet sind. Paulus selbst war nicht verheiratet, somit handelt es sich um eine sinnvolle Empfehlung, aber nicht um eine zwingende Voraussetzung. Warum sinnvoll? Geistliche Leiter sind besonderen seelischen Herausforderungen ausgesetzt und selbst neuere psychologische Untersuchungen beweisen, dass familiäre Geborgenheit und Rückhalt Führungskräfte seelisch stärken und ihre Frustrationstoleranz und Stressbewältigungskompetenz erhöhen.

Gläubige Kinder sind aus zweierlei Aspekten wichtig: zum einen erweist der geistliche Leiter, dass er seiner eigenen Familie segensreich vorzustehen vermag und zum anderen erweist sich in der Praxis immer wieder, dass Glaubenskonflikte in der Familie den geistlichen Leiter immens für seine Tätigkeit schwächen. Dies wäre ein weiterer Stressor, der die seelische Belastung eines geistlichen Leiters zusätzlich erhöht.

Paulus lehrt Titus somit sehr ganzheitlich und nimmt die verschiedenen Bedingungsfelder in den Blick. Auch diese Form der Lehre ist fürsorglich und darin wieder beispielhaft. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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