Mitteilhaber der Gnade


»… weil ich euch im Herzen habe und sowohl in meinen Fesseln als auch in der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums ihr alle meine Mitteilhaber der Gnade seid.« (Philipper 1,7)

Als Gemeinde Jesu Christi ist uns das höchste Gut der Welt anvertraut worden, das Evangelium Jesu Christi! Die frohe Botschaft ist die Person Jesus Christus an sich, die Menschwerdung Gottes. In Christus – so sagt es uns der Evangelist Johannes – ist uns die ganze Gnade und Wahrheit Gottes begegnet. Wie wir schon in den vorherigen Lehreinheiten gelesen haben, ist die Gnade das Fundament des Evangeliums. Wir sind – völlig unabhängig von jeglicher Vorleistung oder Gegenleistung – von Gott angenommen und aufgenommen worden als seine Kinder.

Gottes Kind zu sein bedeutet nach Epheser 1 gesegnet zu sein mit allem Segen der Himmelswelt. Der ganze Reichtum und die Fülle Christi stehen uns zur Verfügung, denn Christus kam, um den Menschen die Fülle des Lebens zu bringen. Teil dieser Fülle des Lebens ist es, eine Bestimmung zu haben, eine Bestimmung, die von Gott und von seiner Dimension her stammt. Diese Bestimmung und Berufung erfüllt uns mit Frieden, Freude, Mut und Zuversicht. Dennoch bedeutet unsere hohe Bestimmung und unser Status als Gotteskinder nicht, dass wir nicht auch leiden müssten. Paulus selbst hat dies in vielfacher Weise gespürt. Er wurde wegen seines Dienstes u. a. geschlagen, gesteinigt, musste Hunger und Schiffbruch erleiden und landete im Gefängnis.

So kann das Evangelium scheinbar paradoxer Weise zu einer Quelle des Überflusses und zu einer Ursache für Leiden werden. Das eigentliche Geheimnis jedoch ist, dass durch das Evangelium Gottes Fülle, die nicht von dieser Welt ist, in dieser Welt offenbar wird. Vollkommene Freude mitten im Leid, Frieden und Zuversicht mitten im Sturm! Damit meine ich nicht eine inwendige Vertröstung gegenüber einer äußeren Not, sondern eine manifeste, übernatürliche Veränderung unserer Herzen und Sinne, wodurch wir alle Situationen neu kontextualisieren, d. h. aus Gottes Perspektive betrachten und erleben. Paulus war ein Gefangener in Ketten und doch war er von Freude und Dankbarkeit erfüllt.

Selbst in Ketten ließ er nicht davon ab, Haushalter dieser selbst erlebten Gnade zu sein und alles in seiner Kraft stehende zu tun, um das Evangelium, diese Gnade weiterzugeben. Paulus bezeichnet die Philipper als Teilhaber, als Partner sowohl im Erfahren der Gnade, als auch im Leiden für das Evangelium, gleichwie in dem Auftrag, das Evangelium zu verteidigen und zu bekräftigen. Wenn wir genau hinsehen, bezeichnet Paulus die Philipper nicht als Teilhaber in den o. g. Dingen, sondern als Teilhaber in der Gnade, welche die o. g. Dinge hervorruft. Paulus weiß sich allein durch die Gnade dazu in die Lage versetzt, Haushalter der Gnade und Mitarbeiter am Evangelium zu sein. Weil auch wir Teilhaber der Gnade sind, dürfen wir wie Paulus darauf bauen und vertrauen, dass Gott es uns ermöglicht, Verteidiger und Bekräftiger des Evangeliums zu sein! Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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