»Den Reinen ist alles rein; den Befleckten aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern befleckt ist sowohl ihre Gesinnung als auch ihr Gewissen. Sie geben vor, Gott zu kennen, aber in den Werken verleugnen sie ihn und sind abscheulich und ungehorsam und zu jedem guten Werk unbewährt.« (Titus 1,15-16)
Die Judaisten versuchten immer wieder, Christen in den Gemeinden zu verwirren, indem sie ihnen weismachen wollten, sie müssten bestimmte Gebote und Satzungen des alten Bundes halten, so z. B. was sie essen sollten oder nicht. Paulus befasste sich in mehreren Briefen mit diesen Einflüssen der Judaisten, die durch ihre falschen Lehren Spaltungen in den Gemeinden verursachten und den Christen unnötige Bürden auferlegten, die nicht geistliches Leben, sondern geistlichen Tod hervorriefen. Paulus machte in seinen Briefen immer wieder deutlich, dass dem Christen z. B. im Hinblick auf die Nahrung alles erlaubt ist, was nicht bedeutet, dass alles gut ist. Wie Jesus wusste Paulus, dass nicht äußere Einflüsse den Menschen unrein machen, sondern das, was aus dem Herzen kommt.
Bei den Judaisten wusste Paulus, dass ihr Herz schlecht war und sie – obgleich sie immer wieder die Einhaltung von Reinheitsgeboten forderten – nicht wirklich nach der Reinheit vor Gott und von Gott trachteten. Ihre Gesinnung, d. h. die Gedanken ihres Herzens waren befleckt, so auch ihr Gewissen durch die Bürden, die sie den Christen auferlegen wollten. Paulus wählt hier ähnliche Worte wie Jesus selbst, wenn er sagt, dass sie vorgeben Gott zu kennen, aber ihn in den Werken verleugnen. Jesus spricht zu den Pharisäern, dass sie – obwohl sie als Schriftgelehrte galten – weder die Schriften, noch die Kraft Gottes kannten. Sie kannten zwar die Gesetze äußerlich, erkannten Gott jedoch nicht und waren ihm gegenüber ungehorsam und brachten keine wirklichen guten Werke hervor. Interessanterweise kann das griechische Wort für „abscheulich“, „bdeluktos“, auch mit „götzendienerlich“ übersetzt werden.
Die Judaisten betrieben im eigentlichen Sinne Götzendienst, denn es ging ihnen nicht um Gottes Ehre und Anbetung, sondern um ihre eigene Ehre. Sie waren darum bemüht, sich selbst wichtig zu machen und sich vor den anderen Christen zu erheben, genau diesen Vorwurf machte Jesus auch gegenüber den Pharisäern. Ihnen ging es nicht um die Erkenntnis Gottes und um die Liebe für Gott, sondern um reines Wissen, um selbst besser da zu stehen als die anderen. Sie waren letztlich nicht Gott, sondern nur sich selbst gehorsam und forderten von anderen noch, ihnen gehorsam zu sein und versperrten ihnen somit den Zugang zum Reich Gottes. Ich denke, dass alle Christen – aber insbesondere die in geistlicher Leiterschaft – stets prüfen lassen müssen, wie es um das eigene Herz steht. Geht es auch uns um Wissen, anstatt um Erkenntnis? Geht es auch uns um Selbstverherrlichung, anstatt um Gottes Ehre? Geht es auch uns um Selbstliebe, anstatt um die Liebe zu Gott? Geht es auch uns um Religiosität, anstatt um das Leben aus Gott? Meinen auch wir es begriffen zu haben, anstatt von Gott ergriffen zu sein? Wo finden wir Götzendienst in unserem Leben?
Wir wollen uns immer wieder selbstkritisch hinterfragen und Gott bitten, unser Herz zu reinigen und alles abzuschneiden, was unfruchtbar ist, damit wir noch mehr Frucht des Lebens hervorbringen können. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: geistliche Leiterschaft, Gewissen, Götzendienst, Herz, Nahrung, Reinheit
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