Schandbare, närrische oder lose Rede


»Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung.« (Epheser 5,3-4 – Lutherübersetzung)

Wir leben mit der besonderen Herausforderung, Gott in allen Dingen nachzuahmen, aber wir haben auch die dazu benötigte Kraft von Gott erhalten. Es gibt im Grunde genommen nichts, was Gott von uns fordert, was er uns nicht zuvor bereits gegeben hätte. Es gibt nichts, was wir Gott darreichen könnten, keine Leistung, die wir hervorbringen könnten oder keine Heiligkeit oder Gerechtigkeit, die wir aufweisen könnten, wenn sie uns nicht zuvor von Gott geschenkt worden wäre. In Christus haben wir ein neues Leben erhalten, ein Leben in Fülle, das reiche Früchte des ewigen Lebens hervorbringt.

In Christus haben wir ein Leben erhalten, das gute Werke hervorbringt und das den Vater im Himmel ehrt. Das, was einst unmöglich war, nämlich Gott zu gefallen, ist nun durch den Geist, der uns leitet, uns in alle Wahrheit führt und uns heiligt, möglich. Das was bei den Menschen unmöglich war – sich selbst aus der Macht der Sünde und des Todes zu befreien – ist bei Gott möglich. Es ist Gott nicht nur möglich, sondern er hat es bereits getan! Dies ist ganz wichtig im Bezug zu dem heutigen Andachtstext bzw. allen Texten in denen eine konkrete Handlungsanweisung zu finden ist, in denen es darum geht, sündhaftes Verhalten und schlechte Gewohnheiten abzulegen.

Im heutigen Andachtstext werden wir ermahnt, uns von drei sehr starken Sünden zu distanzieren, ja noch nicht einmal davon die Rede sein zu lassen: Unzucht, Unreinheit, Habsucht sowie schandbare und närrische oder lose Rede! Meines Erachtens handelt es sich bei den hier aufgezählten Sünden um einen Katalog von Sünden, die ausgehend von Paulus besonders schwerwiegend oder belastend für das geistliche Leben und die Seele sind oder aber besonders stark zu einer schlechten Gewohnheit werden können, die uns bestimmt.

Jede Sünde der Unzucht (Geschlechtsverkehr vor oder außerhalb der Ehe, Ehebruch, Homosexualität, Pädophilie, Pornographie, Prostitution etc.) und Unreinheit sind Sünden gegen den Leib, welcher der Tempel des Heiligen Geistes ist und daher besonders schwerwiegend. Darüber hinaus hat die Unzucht eine sehr starke Macht, Menschen zu binden und sie in Süchten und Trieben gefangen zu nehmen. Eine weitere sehr starke Macht der Sünde ist das schandbare, närrische oder lose Reden. Auch der Apostel Jakobus weist uns darauf hin, welche Macht die Zunge hat, sie ist kaum zu bändigen oder zu beherrschen. Deshalb ertappen wir uns immer wieder dabei, falsche und sündhafte Dinge zu sagen.

Der Satan ist besonders daran interessiert, unser Reden zu beeinflussen, denn unser Reden hat eine ganz besondere Macht. Unsere Zunge kann die Welt in Brand setzen, wie es Jakobus sagt, sie hat die Macht, ganze Völker zu verführen und sie bestimmt maßgeblich unser eigenes Denken und Handeln. Wieso dies? Müsste es nicht umgekehrt sein, so dass unser Denken unser Reden beeinflusst? Können wir nicht nur das reden, was wir zuvor gedacht haben? Dies stimmt zwar zu einem gewissen Teil, aber gerade die neueren neurobiologischen Erkenntnisse zeigen etwas Interessantes auf:

Häufig reden wir, bevor wir überhaupt im Bewusstsein eine kognitive Abwägung des Gesagten vorgenommen haben, d. h. wir sprechen aus den Dynamiken und Bewertungen heraus, die unser Gehirn auf der vor-bewussten Ebene unternimmt. Uns liegt „das Herz sozusagen auf der Zunge“, weshalb uns so oft etwas „herausrutscht“, was wir eigentlich nach reiflicher Überlegung nicht gesagt hätten. Um mit Jesu Worten zu sprechen, bricht sich hier die Sünde des Herzens bahn!

Tief in unserem Herzen lagern noch unbewältigte Leidenschaften, Triebe, Gewohnheiten, Erinnerungen und Interpretationsmuster, die noch nicht gänzlich ans Licht gebracht worden sind. In den Augenblicken, in denen wir zu loser oder schandbarer Rede neigen, lassen wir diesen sündhaften Dynamiken freien Lauf und wenn diese unreflektiert und unbearbeitet bleiben, prägen diese dann auch unser bewusstes Denken. Wenn ich also häufig „aus dem Bauch heraus“ negativ über mich selbst, andere oder Situationen rede, wird dies mein Denken und Handeln, dann aber auch die Beziehungen negativ bestimmen. Durch unbedachte Worte sind schon ganze Kriege und menschliche Tragödien in Gang gebracht worden.

Wir sollen also achtsam sein auf das, was wir sagen, unsere Worte reflektieren und negative Dinge nicht aussprechen! Wenn wir bei uns bemerken, dass in der einen oder anderen Hinsicht negative oder schandbare Dinge aus uns „heraussprudeln“, dann dürfen wir den Geist Gottes bitten, die Wurzel dieses Übels aus unserem Herzen zu nehmen. Dies kann plötzlich passieren oder in einem längeren Prozess. Ob so oder so, steuern wir der unnützen Rede mit Danksagung entgegen. Danksagung ist eine große Macht, denn Danksagung ruft in unserem Bewusstsein ein Denken und Handeln hervor, das Gott die Ehre gibt. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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