»Ich will aber, dass ihr wisst, Brüder, dass meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums ausgeschlagen sind, so dass meine Fesseln in Christus im ganzen Prätorium und bei allen anderen offenbar geworden sind und dass die meisten der Brüder im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Fesseln und viel mehr wagen, das Wort Gottes ohne Furcht zu reden.« (Philipper 1,12-14)
Zu Beginn des Briefes an die Philipper bezeichnet sich Paulus als Knecht Jesu Christi. Er widmet sein ganzes Leben Jesus Christus und der Verkündigung des Evangeliums. Dafür ist er auch bereit, viel Leiden auf sich zu nehmen. Sehr häufig werden wir durch verschiedene Umstände in unserem Leben bedrückt, manche Sorgen und Nöte machen uns das Leben schwer und wir wissen nicht, wie sich die Dinge so schlecht entwickeln konnten. Umstände erfüllen uns mit Angst und Sorge. Christus jedoch fordert uns auf, uns nicht von den äußeren Umständen, den Sorgen und Nöten bestimmen zu lassen, sondern ihm ganz und gar zu vertrauen. Jesus kann zu jedem Sturm in unserem Leben sprechen: „Schweig!“ Jesus sorgt sich grundsätzlich um alle unsere Anliegen, aber die Dimension, um die es in dem heutigen Andachtstext geht, ist eine andere.
Es ist eine Sache, sein eigenes Leben zu führen und Jesus als Helfer in der Not zu betrachten. Eine völlig andere Sache ist es jedoch, Gottes Leben zu führen, das heißt Christus in uns Gestalt annehmen zu lassen. Christus selbst hat gesagt, dass er sein Werk durch uns fortsetzen will. Er sendet uns ebenso, wie der Vater uns gesendet hat. Wir müssen verstehen, dass Christus und auch Paulus – wenn sie von Nöten und Bedrückung sprechen – fast immer von Nöten sprechen, die über die Christen kommen, weil sie Jüngerinnen und Jünger sind. Sehr häufig sind unsere Nöte und Probleme Resultate unseres Unglaubens und unseres Ungehorsams gegenüber Gott. Sie sind quasi „hausgemacht“. Es sind nicht Sorgen, die wegen unseres Glaubens, sondern wegen unseres Mangels an Glauben entstehen. Die meisten Ermutigungen Christi und auch die des Paulus beziehen sich auf Zeiten der Verfolgung wegen des Glaubens.
Die Christen der Urgemeinde kannten viele unserer postindustriellen Sorgen nicht, weil sie gar keine Zeit dafür hatten. Sie lebten in existenzieller Bedrohung und dass auch noch, weil sie sich selbst dafür entschieden hatten. Paulus selbst saß, während er diese Verse schrieb, in Fesseln und im Gefängnis aufgrund seines Dienstes am Evangelium. Er ließ sich jedoch nicht von diesen Umständen überwältigen, sondern er entdeckte in ihnen die Souveränität Gottes. Gott selbst verherrlichte sich in diesen Nöten. Die Zeit im Gefängnis war sogar förderlich für das Evangelium! Nicht nur verbreitete sich das Evangelium im ganzen Gefängnis und durch die Briefe bis an das Ende der Welt, nein, vielmehr noch wurden sogar durch diesen scheinbar schlechten Umstand die Christen in aller Welt – so auch die Philipper – ermutigt.
Nicht, dass es Paulus darum ging, dass es ihm durch den Glauben irgendwie besser ginge oder er vertröstet würde. Paulus ging es immer zuallererst um die Verherrlichung Gottes und die Verkündigung des Evangeliums. Das Zeugnis des Paulus – ein Zeugnis dafür, wie Gott die widrigen Umstände des Lebens zu seiner Verherrlichung nutzen kann – ermutigte die anderen Christen sogar und stärkte sie, ihr Vertrauen in Gott zu setzen und das Wort Gottes ohne Furcht zu reden. Warum ohne Furcht? Weil sie sahen, dass es nichts gab, was Gott hindern würde, weiterhin machtvoll zu handeln.
Ich glaube durchaus, dass Gott uns in jedem unserer Anliegen helfen kann und will, aber wir dürfen zu einer nächsten Stufe wachsen. Wir dürfen dorthin wachsen, dass es nicht mehr um unsere Anliegen geht, sondern um Gottes Anliegen. Ich durfte dabei immer Folgendes erleben: wenn ich mich um Gottes Belange, um die Verkündigung des Evangeliums „kümmerte“, dann kümmerte sich Gott um meine Belange. Es kann sogar sein, dass ich mehr Probleme habe, während ich Gott an die erste Stelle setze als vorher. Bevor Paulus zu einem Apostel Jesu Christi wurde, saß er nicht im Gefängnis, wurde nicht gesteinigt und musste nicht Hunger leiden. Nun aber durfte er in all diesem erleben, wie durch ihn etwas weit Größeres und Schöneres Gestalt annahm als alles, was er zuvor hatte: Jesus Christus. Sind wir bereit, unsere Sorgen auf den Herrn zu werfen und uns neu für ihn zu investieren? Sind wir bereit, sein Königreich an die erste Stelle zu setzen und ggf. dafür widrige Umstände in Kauf zu nehmen? Sind wir bereit, in diesen widrigen Umständen zu erleben, wie das Evangelium gefördert wird, andere Christen ermutigt werden und Gott verherrlicht wird? Ein Ja öffnet eine Tür zu einem siegreichen Leben, jeden Tag neu! Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Evangelium, Leid, Nöte, Sorge, Verfolgung
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