Täter des Wortes


»Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen!« (Jakobus 1,22-24)

Jakobus ist ein Pragmatiker und dies zu Recht, denn der christliche Glaube ist ein Glaube des Wortes und der Tat. Jesus kam in diese Welt, um Gefangene zu befreien, Kranke zu heilen, Trauernde zu trösten, diejenigen, die zerbrochenen Herzens sind, wieder aufzurichten, den Blinden das Augenlicht wieder zu geben, Hungrigen und Bedürftigen zu geben, das Kreuz auf sich zu nehmen und die Werke des Teufels zu zerstören. Jesus gab Zeugnis von einem Glauben und einer Gerechtigkeit, die zutiefst lebensweltbezogen und praktisch waren. Jesus richtete sein Herz ganz und gar auf den himmlischen Vater aus, hörte, was dieser sprach und setzte das Gehörte immer in die Tat um. Es war nicht Jesu Speise, das Wort zu hören, sondern den im Wort des Vaters offenbarten Willen zu tun!

Im heutigen Andachtstext geht es wieder mal um unser Herz und darum, was es bedeutet, sich selbst nicht zu betrügen. Wir können bestimmte kognitive Gedankenmuster haben, die jedoch noch nicht vom „Kopf in das Herz gerutscht“ sind. D. h. wir haben zwar Kenntnis von bestimmten Wahrheiten, ohne diese jedoch verinnerlicht zu haben. Ob wir wirklich etwas „gelernt“ oder verinnerlicht haben, können wir dadurch feststellen, inwieweit das Gelernte unser Handeln bestimmt. Wir können durchaus das Wort Gottes bejahen, können sogar mit unserem Munde Christus als Herrn bekennen, ohne jedoch diesem Wort gehorsam zu sein oder das zu tun, was Christus von uns will. Was jedoch ist Voraussetzung dafür, wirklich gehorsam sein zu können? Die Antwort lautet: Liebe und Vertrauen.

Nun kehren wir zu dem anspruchsvollen Thema Emotionen oder Gefühle zurück. Wir können kognitiv wissen, dass Gott uns liebt und dass wir Gottes Kinder sind, ohne dies jedoch verinnerlicht zu haben oder aber das Gefühl zu haben, geliebt zu sein. Eins ist wahr: wir müssen die Wahrheit der Liebe Gottes und der Gotteskindschaft im Glauben annehmen, auch wenn wir es nicht fühlen. Doch nach diesem ersten Schritt will Gottes Liebe den ganzen Menschen mitsamt seinen Gefühlen bestimmen. Wenn wir unser Leben lang eine Diskrepanz zwischen unserem kognitiven Wissen und unseren Gefühlen erleben, stimmt etwas nicht. Zwar sollen wir den Glauben vor die Gefühle stellen, aber Gott will, dass wir heil und ganz sind und somit zu dem Punkt gelangen, wo wir auch fühlen, von Gott geliebt zu sein. Gott schließlich war es, der unsere Gefühle geschaffen hat. Er will auch sie reinigen und heiligen.

Wenn ein Mensch beständig anders denkt, als er fühlt, so kann dies auf eine psychische Störung hinweisen. Wir müssen verstehen, dass Kognition und Emotion untrennbar zusammenfallen und einander bestimmen. Wenn ich also niemals fühle, dass Gott mich liebt, sondern mich häufig sogar ungeliebt fühle, deutet dies auf ein seelisches „Nicht-Heilsein“ hin, das Gott heilen will. Genauso gilt dies für das Vertrauen. Vertrauen kann nicht allein kognitiv begründet werden, im Sinne von: „Ich vertraue Gott, weil ich soll“, sondern auch das Vertrauen muss aus dem Herzen kommen, d. h. den ganzen Menschen umfassen. Wenn wir also Gott nicht „von Herzen“ vertrauen, wird es uns schwer fallen, ihm auf Dauer gehorsam zu sein und wir handeln somit nicht im Sinne Gottes.

Was hat all dies mit dem heutigen Andachtstext zu tun? Sehr viel, denn Jakobus ermahnt uns, nicht nur Hörer, sondern auch Täter des Wortes zu sein. Dies können wir nur, wenn unser Herz stimmt, denn wir (und dies bestätigen faszinierende Untersuchungen der Neurobiologie auch) entscheiden und handeln letztlich auf der Grundlage der unbewussten Dynamiken, Emotionen und „Affektlogiken“. Wenn wir also ständig anders handeln als unser Verstand oder unser Wissen (das Wort Gottes) es eigentlich fordern, dann deutet es darauf hin, dass etwas in unserem Herzen nicht stimmt. Wenn wir dann diese Feststellung nicht dazu nutzen, unser Herz vor Gott offen zu legen und zu fragen, ob wir Gott wirklich lieben und ihm vertrauen, sondern weiterhin nur „Lippenbekenntnisse“ ablegen, dann betrügen wir uns selbst und leben ein in sich gespaltenes Leben.

Es geht Gott immer um den ganzen Menschen und nicht um Lippenbekenntnisse. Letztlich will Jesus trotz all unserer Sündhaftigkeit (vor allen anderen!) nur eine Frage beantwortet wissen: „Hast Du mich lieb?“ (Johannes 21,17) Wer ihn liebt, wird seine Gebote halten und nicht nur Hörer, sondern auch Täter des Wortes sein(!). Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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