»Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus; nicht mit Augendienerei, als Menschengefällige, sondern als Sklaven Christi, indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut!« (Epheser 6,5-6)
Diese Bibelstelle hat schon so manchen Kopfschmerzen bereitet, ganz besonders denjenigen, die sich gegen gesellschaftliche Missstände, insbesondere gegen die Sklaverei im ausgehenden 19. Jahrhundert eingesetzt haben. Wie kann Paulus Sklaven auffordern, „sich in ihr Schicksal zu ergeben“, den Herren mit Furcht und Zittern zu dienen, anstatt sich gegen die Sklaverei auszusprechen und für die Abschaffung der Sklaverei zu plädieren? Diese Frage ist sicherlich nicht leicht zu beantworten, doch eines ist klar: es geht Paulus hier darum, wie Menschen ihren Glauben in widrigen Umständen leben können und trotz Misshandlung und Demütigung anderen Menschen ein Zeugnis und ein Segen sein können.
Paulus geht es immer darum, dass Christus in uns Gestalt annehmen kann und er weiß, dass Christus bereit war, all seine Rechte und seine Herrlichkeit bei Gott aufzugeben, um uns zu retten. Christus selbst weist uns darauf hin, dass auch wir als Jüngerinnen und Jünger leiden und das Kreuz auf uns nehmen werden müssen und er selbst hält uns an, für unsere Feinde zu beten, sie zu lieben und ihnen zu dienen. Ich glaube in jedem Fall, dass Christus und Paulus gegen die Sklaverei sind und dass Christus jede Form der Sklaverei hasst und diese beenden will. Die Frage ist nur wie.
Paulus weist die Sklaven nicht an, sich zu erheben oder sich gegen ihre Herren zu wenden, sondern er richtet sich an das Herz: sie sollen den irdischen Herren dienen mit Ehrfurcht, in Einfalt des Herzens, mit dem Bewusstsein, dass sie Christus dienen. Das Geheimnis liegt darin begründet, dass die Sklaven in Christus bereits frei sind, aber in der Freiheit der Knechte Christi. Ihr Leben ist nun verborgen in Gott und sie gehören Jesus Christus an. Letztlich geht es ihnen darum, Gottes Willen zu erfüllen und das Wesen Christi zu repräsentieren, um durch diese liebevolle Hingabe sogar ihre Herren für Christus zu gewinnen.
Wichtig ist hierbei festzustellen, dass die Transformation der Gesellschaft in dem Herzen des Einzelnen beginnt. Transformation des Herzens bedeutet, dass wir uns nicht mehr selbst gehören, dass wir nun Gottes Kinder sind und unser ganzer Mensch in allen Dingen nur noch Christus verherrlichen will. Wir wollen, dass dieser in uns und durch uns Gestalt annimmt. Es ist die Liebe und die Kraft Christi, die durch uns die Gesellschaft verändert und das von innen heraus. Natürlich können und sollen wir die Stimme gegen gesellschaftliche Missstände und für die Armen und Elenden erheben. Wirkliche Veränderung beginnt jedoch dort, wo wir bereit sind, ein Leben wie Christus zu führen, ein Leben, das frei ist von der zerstörerischen Selbstsucht des Stolzes und bestimmt ist von Hingabe, Liebe, Zuversicht und Mut, selbst die zu segnen, die uns Böses tun. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Herz, inwendig, Sklaverei, Transformation, Verwandlung
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