»Die Sklaven ermahne, ihren eigenen Herren sich in allem unterzuordnen, sich wohlgefällig zu machen, nicht zu widersprechen, nichts zu unterschlagen, sondern alle gute Treue zu erweisen, damit sie die Lehre unseres Retter-Gottes in allem zieren!« (Titus 2,9-10)
Wann immer Paulus von Sklaven oder über Sklaven spricht, fordert es unser Denken besonders heraus. Während der Zeit von Paulus gab es eine immense Zahl von Sklaven, die ihrem jeweiligen Herrn gehörten, d. h. Eigentum eines anderen Menschen waren und diesem Menschen ganz und gar zur Verfügung standen. Die gesamte römische Gesellschaft und Wirtschaftsordnung basierte auf den Prinzipien der Sklaverei. Wir wissen, dass es durch die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch Sklaven gab und es immer noch eine sehr große Zahl von Sklaven weltweit gibt. Noch immer werden in dieser Welt Menschen verkauft und wie Eigentum anderer Menschen behandelt. Weltweit gibt es mehrere Millionen Menschen, die in moderner Sklaverei leben, als Kinder in Bergwerken arbeiten müssen oder beispielsweise Frauen, die Opfer der sexuellen Unterdrückung und des Menschenhandels geworden sind.
In unserer modernen Gesellschaft würden wir fordern, mit aller Macht gegen die Sklaverei zu kämpfen und sie abzuschaffen. Wir sind empört und können vielleicht nicht verstehen, warum Paulus die Sklaven im heutigen Andachtstext auffordert, sich unterzuordnen. Ich glaube, dass Gott gegen die Sklaverei ist und möchte, dass alle Sklaven frei werden, wofür sich Christen in der Vergangenheit eingesetzt haben und weiterhin einsetzen. Dennoch müssen wir die Frage stellen, wie sich ein Sklave verhalten soll, der nicht die Chance hat, sich selbst zu befreien oder in absehbarer Kürze befreit zu werden. Paulus glaubt an die Macht eines Lebens, das Christus zum Vorbild hat, denn auch Christus wurde unser aller Knecht und er litt wie ein Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird. Paulus kennt das Geheimnis der Liebe sowie die Macht des Gebets und was passiert, wenn die Sklaven trotz der Ungerechtigkeit ihrer Herren treu dienen und dabei ein reines Zeugnis für Christus sind.
Die besondere Herausforderung liegt darin, auch innerhalb von Ungerechtigkeit gerecht zu sein, im Rahmen von Lieblosigkeit zu lieben, im Rahmen von Unterdrückung nicht zu rebellieren, sondern zu segnen. Dies bedeutet nicht, dass wir nicht generell falsche Dinge unterdrücken oder gar gut heißen sollen. Es heißt lediglich, dass wirkliche Transformation des Einzelnen und der Gesellschaft immer nur dort entstehen kann, wo Einzelne sich von Gottes Geist leiten lassen und das Wesen Christi darstellen. Wenn wir in Situationen sind, die wir als ungerecht, falsch und benachteiligend empfinden, dürfen wir dem mit Liebe begegnen, wir können segnen und allein darauf vertrauen, dass es Gott ist, der die Herzen von Menschen grundlegend verändern kann. Nicht selten kamen Sklavenhalter durch das gelebte Zeugnis der Sklaven zum Glauben und ließen dann die Sklaven frei!
Manchmal sind wir so sehr darauf fixiert, die äußeren Umstände zu verändern, anstatt zu fragen, wie Gott die äußeren Umstände nutzt, um uns zu verändern und uns Christus ähnlicher zu machen. Wir sollen unsere Feinde lieben und die segnen, die uns fluchen. Ich glaube an die transformative Macht dieses Verhaltens, auch wenn ich die Worte des Paulus immer wieder an mein Herz lassen muss, damit sie mich mehr und mehr verändern und Christus ähnlicher machen: egal wie ungerecht die Situation auch sein mag, ein Segen zu sein. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Sklaven, Sklaverei, Transformation, Umstände, Unterordnung
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