Umgang mit charakterlichen Schwächen


»Zürnet, und sündigt dabei nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, und gebt dem Teufel keinen Raum!« (Epheser 4,26-27)

Im vorliegenden Andachtstext geht Paulus auf das Zusammenleben in der christlichen Gemeinschaft ein. Nachdem er in den ersten Versen des vierten Kapitels die funktionale Struktur der Gemeinde im Geist, mitsamt den Ämtern und Geistesgaben beschreibt, geht er in den letzten Versen eher auf die Beziehungsstrukturen, d. h. den konkreten Umgang miteinander ein. Dies passt zu seiner in den Briefen dargestellten Differenzierung zwischen Gaben des Geistes auf der einen Seite und den Früchten des Geistes auf der anderen Seite.

Wir müssen uns über eines im Klaren sein, eine Tatsache, die die Geschichte der Gemeinde immer wieder deutlich lehrt: Die Gaben und die Früchte des Geistes in einem Menschen sollten immer miteinander korrelieren, sie tun es aber nicht immer. Es gibt immer wieder sehr begabte geistliche Männer und Frauen, die aufgrund einer charakterlichen Schwäche oder aufgrund eines Mangels an Integrität in eine Sünde geraten und – zumindest im Hinblick auf ihren jeweiligen Dienst – „fallen“. Besonders wenn jemand über eine besondere Begabung und Berufung verfügt, besteht die Gefahr, in Versuchungen des Stolzes oder der Überheblichkeit zu geraten.

Der Satan setzt alles daran, Dienerinnen und Diener Gottes davon abzuhalten, ihre Gaben für das Königreich und die verlorenen Menschen einzusetzen und dies tut er, indem er die charakterlichen Schwächen auslotet und diese Schwächen ausnutzt. Stolz, Eitelkeit, Ungeduld, Maßlosigkeit, Mangel an Disziplin, Lieblosigkeit und Immoralität sind alles Felder, auf denen die Samen der Lüge und der Versuchung des Satans sehr gut gedeihen können. Paulus weiß darum und er selbst ermahnt immer wieder einzelne Christen (sehr begabte Christen) ganz besonders auf ihren Charakter und ihre Integrität zu achten. Ich denke hierbei z. B. an seine Auseinandersetzung mit Petrus, als dieser sich opportunistisch und heuchlerisch verhielt und sich von den Heidenchristen zugunsten der Judenchristen distanzierte.

Sowohl die Gaben als auch die Früchte des Geistes dienen dazu, uns Christus ähnlicher zu machen, aber es ist eindeutig leichter und angenehmer, die Gaben des Geistes anzunehmen und einzusetzen, als den Charakter formen zu lassen. Im Römer 13 ermahnt uns Paulus sogar ausdrücklich, das der Einsatz der Gaben ohne die Liebe – ein Wesensmerkmal des Charakters Christi! – seine Wirkung verfehlt oder verliert. Deshalb ist es so ungemein wichtig, den Prozess der Veränderung und Formung des Charakters durch den Heiligen Geist und durch die christliche Gemeinschaft zuzulassen. Hier greifen die Gaben und die Früchte ineinander: durch die in der Gemeinde vorhandenen Gaben (z. B. Wort der Erkenntnis, prophetische Ermahnung und Überführung, Lehre etc.) handelt Gott durch den Bruder oder die Schwester an unserem Charakter.

Im heutigen Andachtstext geht es konkret um den Zorn, als eine der Früchte des Fleisches(!), wie wir in Galater 5,20 lesen können. Paulus weiß, dass wir Menschen aus Fleisch und Blut sind und es deshalb immer wieder zu Konflikten in der Gemeinde kommen kann. Er weiß aber auch, dass wir nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen geistliche Mächte der Finsternis kämpfen und diese Einfluss gewinnen, wenn wir dem Fleisch und der Sünde zu viel Raum geben. Es kann sein, dass wir zornig werden, aber wir dürfen diesem Zorn von der Tiefe und dem zeitlichen Ausmaß nicht zu viel Raum geben, sonst laden wir dadurch den Feind ein, in unserer Mitte Raum zu nehmen.

Ein Lehrer formulierte es so: „Unsere fortgesetzt begangenen Sünden sind wie eine hell erleuchtete Landebahn bei Nacht, für die dämonischen Mächte.“ D. h., wenn wir nicht schnell und gezielt die Versöhnung suchen und mit der Sünde brechen, wird der Einfluss dieser Sünde und der bösen Mächte durch ihre Lüge in unseren Herzen immer größer. Aus Wut und Zorn wird Bitterkeit und die Bitterkeit betrübt den Geist und verhärtet unser Herz gegenüber Gott und seinem Reden! Wir müssen zulassen, dass schlechte Äste und Früchte abgeschnitten werden, damit das Wachstum der Liebe und der Erkenntnis nicht gehindert wird.

Wir selbst brechen immer wieder mit den schlechten Gewohnheiten oder Gefühlen und ordnen sie dem Gehorsam Jesu Christi unter. Wir suchen alles zu vermeiden, was dem Teufel in unseren Herzen und in der Gemeinschaft Raum gibt und werfen ihn hinaus. Dies bedeutet nicht, die Gefühle zu unterdrücken, aber auch nicht, von ihnen beherrscht zu werden! Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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