Vom Beten im Geist


»Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist …« (Epheser 6,18)

Neben der Waffenrüstung Gottes, die wir jeden Tag tragen sollen, gibt es eine weitere mächtige Waffe, die uns zur Verfügung gestellt wurde: das Gebet im Geist! Wenn wir die Briefe des Paulus aufmerksam lesen, werden wir feststellen, dass es ihm wichtig ist, den Zusatz „im Geiste“ hinzuzufügen, um wirklich deutlich zu machen, dass wir alles in Abhängigkeit von und in Partnerschaft mit und aus dem Wirken des Heiligen Geistes heraus tun sollen. Gerade dieser Aspekt, die Dinge aus dem Geist heraus zu tun, unterscheidet geistliches Leben von einem religiösen Leben, im Sinne von Religiosität als menschlichem Vollzug religiöser Handlungen aus dem Fleisch. Schon die Puritaner und auch die Pietisten unterschieden zwischen Religiosität und geistlichem Leben.

Auch Jesus verwendete diesen Zusatz, als er darauf hinwies, dass die Zeit kommen werde, in der die Menschen den Vater im Himmel im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Wir können demnach im Geist anbeten, beten, flehen, danken, loben und preisen, lehren, wandeln, verkündigen, Gemeinschaft haben etc. Es lohnt sich, sich darüber Gedanken zu machen (und zwar auf alle Lebensbereiche bezogen!), was es genau bedeutet, dies oder jenes im Geist zu tun und wie sich dies vom rein menschlichen Handeln unterscheidet. Was bedeutet es, im Geist zu erziehen, zu führen, zu arbeiten, selbst einzukaufen oder den Haushalt zu bewältigen? Der Geist ist unser Beistand und will uns in allen(!) Dingen leiten, führen und mit Weisheit beschenken.

Besonders im Gebet ist dieses „im Geist“ sehr wichtig. Das Gebet ist die Zeit der Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Wenn wir die Entwicklung des Gebets in der Kirchengeschichte betrachten, wandelte sich dies von einem sehr intensiven Erleben Gottes in der Urgemeinde hin zu starren vorbereiteten und in Büchern festgehaltenen Sätzen und Floskeln oder eine Aneinanderreihung von Bitten oder Forderungen. Wie würden wir uns fühlen, wenn unser Partner oder unsere Kinder uns Tag für Tag irgendwelche auswendig gelernten Texte aufsagen oder diese uns gar aus einem Buch vorlesen würden? Dies wäre sicherlich nicht die Form der Kommunikation und Gemeinschaft, die wir uns wünschen. Wir wünschen uns, dass unser Partner oder unsere Kinder persönlich mit ihren Herzensanliegen mit uns in Kontakt treten, ebenso Gott.

Im Geist zu beten bedeutet aber nicht nur die persönliche Ansprache Gottes, denn ich kann Gott auch sehr fleischlich ansprechen, wenn ich entsprechend meines eigenen Willens, meiner Interessen, Wünsche und Neigungen bete. Im Geist zu beten bedeutet konkret, dem Geist Gottes die Führung über das Gebet zu überlassen, d. h. vom Geist Gottes im Gebet geleitet zu werden. Der Geist Gottes will durch uns zum Vater sprechen, durch ihn rufen wir „Abba“ – lieber Vater und nur mit Hilfe des Geistes können wir überhaupt in die Gegenwart (und um diese geht es!) Gottes treten und Gott erfahren! Der Geist will uns sagen, wofür wir beten sollen, er zeigt uns das Herz Gottes und seine Anliegen. Warum ist dies so wichtig? Weil wir gemäß der Anliegen Gottes und gemäß seines Willens beten müssen, besser gesagt dürfen.

Noch wichtiger ist jedoch die andere Kehrseite der Medaille des Gebets, die auch sehr häufig vergessen wird. Gebet bedeutet nicht primär, zu Gott zu sprechen, sondern vielmehr, auf Gott zu hören! In unseren Gebetszeiten will der Geist Gottes zu uns sprechen, uns Weisungen geben und uns die Geheimnisse Gottes offenbaren. Er führt uns in die heilige Kammer, in den Thronraum, um uns dort mehr von sich selbst, von Christus und vom Vater zu offenbaren. Der Geist ist der Schlüssel zur Gegenwart Gottes, die von uns Besitz ergreifen will. Der Höhepunkt einer Gebetszeit ist also nicht, Anliegen „losgeworden zu sein“, sondern vielmehr, von Gott ergriffen worden zu sein, ihn mehr erkannt zu haben. Dieses Erkennen ist es, was uns und unser Umfeld wirklich verändert. Die Antwort auf viele unserer Gebete werden wir anschließend selbst sein, wenn wir aus der Gebetskammer zurückkehren und Gottes Gegenwart in unser Umfeld und in diese Welt tragen.

Die großen und herausragenden Ereignisse der Bibel entstanden nicht dadurch, dass Menschen zu Gott geredet haben, sondern dadurch, dass Gott gegenwärtig war! Er ist Jahwe, er ist der Gegenwärtige und seine Gegenwart ist das höchste Gut des Universums. Wir müssen den Geber mehr begehren als die Gabe, das heißt, der Antrieb für das Gebet sollte nicht primär die Gebetserhörung sein, sondern die Gegenwart Gottes und aus dieser Gegenwart Gottes heraus entsteht neues Leben und unsere Gebete werden erhört. Leider ist es in einer Andacht nicht möglich, den ganzen Umfang dessen zu beschreiben, was es bedeutet, im Geist zu beten, aber wir beginnen ganz klein damit, inhaltlich ähnlich dem Folgenden zu beten:

„Heiliger Geist, im Namen des Herrn Jesus Christus bitte ich Dich, mich im Gebet zu führen und zu leiten. Führe mich in die Gegenwart Gottes, offenbare mir mehr von Christus und dem Vater und zeige mir sein Herz! Hilf mir, Gottes Anliegen zu verstehen und meine Bitten und Flehen nach dem Willen Gottes auszurichten. Danke, dass Du in mir bist und meiner Schwachheit jetzt aufhilfst und durch mich betest! Amen.“

Paulus schreibt im Römerbrief, dass der Geist unserer Schwachheit aufhilft, denn ohne ihn wissen wir nicht einmal, wofür wir beten sollen:

»Desgleichen aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie sich’s gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern.« (Römer 8,26)

Eine einfühlsame und intime Beziehung zum Geist Gottes ist der Schlüssel zu einem vollmächtigen Gebet! Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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