Vorbild in guten Werken


»Ebenso ermahne die jungen Männer, besonnen zu sein, indem du in allem dich selbst als ein Vorbild guter Werke darstellst! In der Lehre beweise Unverdorbenheit, würdigen Ernst, gesunde, unanfechtbare Rede, damit der von der Gegenpartei beschämt wird, weil er nichts Schlechtes über uns zu sagen hat!« (Titus 2,6-8)

Paulus hält Titus an, die jungen Männer zu ermahnen, ein Vorbild zu sein. Das hier verwendete griechische Wort „Typus“ kann Vorbild, Modell, Beispiel zur Nachahmung oder aber auch Stempel oder Narbe bedeuten. Ein Typus hinterlässt somit einen nachhaltigen Eindruck und hinterlässt wie ein Stempel eindeutige Zeichen, die identifiziert oder wieder erkannt werden können. Manchmal sprechen wir davon, dass Situationen oder die Begegnung mit Menschen eindeutige Spuren hinterlassen haben, d. h. Menschen haben einen nachhaltigen Eindruck auf uns gemacht oder unser Denken, Fühlen und Handeln geprägt. Kindern haben zuallererst nur zwei wirkliche Vorbilder, Vater und Mutter, welche ihre Kinder zum Guten oder Schlechten maßgeblich prägen. Das Verb „prägen“ kommt von „Prägung“ und kann mit dem Stempel in Verbindung gebracht werden, sie hinterlassen eindeutige Spuren in den Seelen von ihren Kindern, Spuren der Liebe und Geborgenheit oder Verletzungen und Ablehnung.

Ein Vorbild zu sein bedeutet also, bei anderen Menschen positive Spuren zu hinterlassen, ein Modell zur Nachahmung zu sein, wobei wir anderen Menschen nicht unseren Stempel aufdrücken, sondern vielmehr so leben, dass die Menschen von sich aus unserem Vorbild nachahmen. Titus soll den jungen Männern ein Vorbild in den guten Werken sein, d. h. er soll den anderen jungen Männern vorleben, wie man ein fruchtbringendes Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes leben kann. Ein Vorbild in den guten Werken zu sein bedeutet, in einer engen Beziehung zum dreifaltigen Gott zu leben und sich in allen Dingen von dem Heiligen Geist leiten zu lassen, der durch uns die Werke hervorbringt, die Christus zuvor bereitet hat. Es ist ein Vorbild der Liebe und Hingabe zu Gott und der Bereitschaft, das Königreich Gottes an die erste Stelle des Lebens zu stellen.

Titus soll in der Lehre klar, unverfälscht und unverdorben sein, denn es ist sein Auftrag, allen Generationen mit der gesunden Lehre zu dienen. Dabei soll er würdigen Ernst und einen Lebensstil vorzeigen, der die gesprochene Lehre nicht diskreditiert. Das Leben und das gesprochene Wort sollen übereinstimmen, damit nicht jemand Schlechtes zu sagen hat. Die Rede sei unanfechtbar, d. h. Paulus erwartet von Titus rhetorische und inhaltliche Kompetenz im Umgang mit der Lehre, um den besonderen Herausforderungen der Feinde des Evangeliums gegenübertreten zu können. Sowohl die Einheit von Lehre und Leben sowie der Fähigkeit, das Evangelium apologetisch zu vertreten und zu verteidigen, kommt von dem Heiligen Geist, der uns heiligt und uns genau lehrt, was wir wann sagen sollen. Ein geistlicher Lehrer ist also immer jemand, der selbst von dem Geist gelehrt wird und ein geistlicher Leiter ist jemand, der selbst vom Geist Gottes tagtäglich geleitet wird. Allein durch die Gnade Gottes ist es möglich, solch ein Vorbild zu sein.

Der geistliche Leiter hat Fehler und Schwächen wie jeder andere auch, aber er weiß, dass Gottes Gnade und sein Erbarmen ihn tagtäglich tragen und er Vorbild nicht durch Heer oder Kraft, sondern allein durch Gottes Geist sein kann. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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