»Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber keine Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester dürftig gekleidet ist und der täglichen Nahrung entbehrt, aber jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige, was nützt es?« (Jakobus 2,14-16)
Die letzte Andacht endete mit dem Kreislauf des Glaubens, der Freiheit und der Liebe. Durch den Glauben sind wir befreit worden von der Knechtschaft der Sünde, durch den Glauben wird das Wort und der Geist in uns wirksam und durch den Glauben erfahren wir die Liebe Gottes und können diese weitergeben in Werken der Barmherzigkeit. Dieser Kreislauf zwischen dem Glauben und der Liebe wird im heutigen Andachtstext weitergeführt. Jakobus muss als Ergänzung zu der Rechtfertigungslehre des Paulus verstanden werden. Nur durch Paulus und Jakobus zusammen können viele Missverständnisse der Kirchengeschichte aufgeklärt werden. Da ich das Verhältnis zwischen Glauben und Werken in vorherigen Andachten bereits thematisiert habe, soll hier nur noch kurz daran erinnert werden:
Wir können unser Heil nicht durch gute Werke verdienen, wir können dem stellvertretenden Leiden und Sterben Christi nichts hinzufügen. Gerettet und gerechtfertigt werden wir nur durch den Glauben, nicht durch Werke! Wenn wir jedoch gerechtfertigt sind, wenn wir Glauben haben, dann bringt dieser Glaube immer gute Werke hervor. Diese guten Werke sind keine Leistungen, derer wir uns rühmen können, nein, sie sind vielmehr die Früchte des Glaubens und des Geistes! Jakobus macht eines unmissverständlich deutlich: der Glaube muss gute Werke hervorbringen, will er wahrer Glauben sein. Wahrer Glauben manifestiert sich in den guten Werken, wahrer Glauben erweist sich erst in den Werken.
Menschliche Werke können den Glauben niemals ersetzen und die Werke, um die es heute geht, entstehen durch den Glauben und das Wirken des Geistes. Es sind eben die Werke, von denen Paulus schreibt:
„Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“ (Epheser 2,10)
Werke machen uns nicht neu, sondern weil wir neu sind, bringen wir Werke hervor. Deshalb muss an dieser Stelle noch einmal deutlich gemacht werden: die Liebe ist größer als der Glaube, aber ohne den Glauben können wir weder Gottes Liebe erfahren, noch können wir Liebe geben und Werke der Liebe hervorbringen. Unser Glaube jedoch muss sich gerade an der tätigen Nächstenliebe messen lassen, will er nicht ein reines „Für-wahr-halten“ von Fakten sein, sondern ein wirkliches Sich-Öffnen für die transformative Schöpfermacht Gottes in unserem Herzen. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Früchte, Glaube, Liebe, Rechtfertigung, Werke
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