»Diese sind Flecken bei euren Liebesmahlen, indem sie es sich ohne Furcht mit euch gut gehen lassen und sich selbst weiden; Wolken ohne Wasser, von Winden fortgetrieben; spätherbstliche Bäume, fruchtleer, zweimal erstorben, entwurzelt; wilde Meereswogen, die ihre eigenen Schändlichkeiten ausschäumen; Irrsterne, denen das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit aufbewahrt ist.« (Judas 1,12-13)
Judas besitzt eine fast poetische oder literarische Art, um auf die Missstände derer in den Gemeinden hinzuweisen, deren Herzen von der Macht der Finsternis „überrumpelt“ worden sind. Sie sind wie Wolken ohne Wasser, d. h. sie tragen den äußerlichen Anschein der Frömmigkeit, wobei sie inwendig ohne Geist und Leben sind. Dies erinnert mich an die Worte Jesu, der die Pharisäer und Schriftgelehrten mit weißgetünchten Gräbern verglich, die innerlich voller Totengebeine sind und an Jakobus, der uns lehrt, dass der Glaube ohne die dazugehörigen Werke tot ist. Wie steht es um unser geistliches Leben? Ist es mehr „Schein als Sein“? Tragen wir das Wasser des Lebens in uns und strömt es aus uns heraus zu den Menschen dieser Welt? Lassen wir uns von dem Geist Gottes oder den Winden des Zeitgeistes treiben?
Ein weiteres Bild des Judas ist das eines spätherbstlichen Baumes, der keine Früchte mehr trägt, schon zwei mal erstorben und entwurzelt worden ist. Wir steht es um die Früchte des Glaubens, des Lebens und der Ewigkeit? Sind wir geistlich gesund, lebendig und fruchtbringend? Sind wir in Christus verwurzelt, fließt das Wasser des Lebens durch unsere Adern und erleuchtet uns die Erkenntnis Christi und seines Wortes?
Im Bezug zu den wilden Meereswogen fällt mir ein Wort aus dem Buch Hiob ein: „Bis hierher kommst du und nicht weiter, und hier soll aufhören der Stolz deiner Wellen?“ Stolz ist eines der schwerwiegendsten und sehr einflussreichen Wurzelsünden in unserem Herzen. Stolz verhärtet unser Herz gegen das Reden und Wirken des Geistes und führt zu Ungehorsam und Rebellion. Sind wir voller stolz und wie wilde Meereswogen, da unser Denken, Reden und Handeln Schändlichkeiten hervorbringt? Letztlich vergleicht Judas solche Menschen mit Irrsternen, denen das Dunkel der Finsternis der Ewigkeit aufbewahrt ist. Wo führen wir Menschen durch unser Reden und Handeln in die Irre? Wir mögen uns über diese Frage wundern und doch sollten wir wissen, dass nicht nur eine falsche Lehre Menschen in die Irre führen kann, sondern auch, wenn die wahre Lehre verschwiegen wird!
Immer dann, wenn wir die Wahrheit verschweigen, uns zurückhalten oder den Menschen keine Hindernisse auf dem Weg in ihr Verderben aufstellen, sind wir wie Irrlichter, die durch ihr konkludentes Verhalten sagen: „Geh diesen Weg ruhig weiter, es gibt meiner Ansicht nach nichts, was dagegen sprechen könnte. Deswegen schweige ich.“ Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass ein Mensch nicht nicht kommunizieren kann. Somit ist nicht nur die ausgesprochene Unwahrheit Irrlehre, sondern auch eine unausgesprochene Wahrheit kann Menschen in die Irre führen oder sie auf dem Irrweg halten! Diese Wahrheit ist hart und unangenehm und doch müssen wir uns ihr stellen. Amen.
Autor: Robin J. Malloy
Schlagworte: Irrlehre, Stolz, Wahrheit
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