Zurechtweisung als Aufgabe des geistlichen Leiters


»Aus diesem Grund weise sie streng zurecht, damit sie im Glauben gesund seien und nicht auf jüdische Fabeln und Gebote von Menschen achten, die sich von der Wahrheit abwenden!« (Titus 1,13-14)

Eine der besonderen Herausforderungen geistlicher Leiterschaft ist es, Menschen zurechtweisen zu müssen. Das an dieser Stelle für Zurechtweisen im Urtext verwendete Wort „elegcho“, kann auch mit „überführen“ oder „überzeugen“ übersetzt werden. Jemanden zurecht zu weisen oder zu überführen hängt in der Regel mit einem Fehlverhalten einer Person zusammen. Wenn ein Mensch gesündigt hat oder weiterhin sündigt, soll er der Sünde überführt und über die Konsequenzen der Sünde aufgeklärt werden. Zurechtweisen bedeutet, jemanden auf seine Sünde aufmerksam zu machen, vor den Auswirkungen der Sünde zu warnen und für ein anderes Denken, Reden und Handeln zu gewinnen. Zurechtweisen kann also bedeuten, jemanden zu verdeutlichen, dass er auf dem falschen Weg ist und ihn zu überzeugen, diesen Weg nicht weiter zu gehen, sondern einen neuen Weg, den rechten Weg, einzuschlagen.

Paulus fordert Titus auf, die Menschen, für die er verantwortlich ist, streng zurecht zu weisen, denn er kennt die fatalen Auswirkungen der Lauheit und der Sünde. Die Sünde kann mit einem Tumor verglichen werden, der langsam aber stetig wächst, sich im ganzen Körper ausbreitet und zunächst unbemerkt, dann aber doch sehr konsequent, den Tod bringt. Unglauben, Ungehorsam, Faulheit, List und Lüge und viele andere Sünden mehr haben zerstörerische Wirkung auf unsere Seele und unseren Glauben und derjenige, der zurecht weist, ist dabei wie ein Hausarzt, der auf den Tumor hinweist und dann an den Arzt weiterleitet, der in der Lage ist, diesen Tumor zu entfernen: Jesus! Paulus weist Titus auf die Aufgabe der strengen Zurechtweisung hin, damit die Kreter im Glauben gesund bleiben. Zurechtweisung durch den geistlichen Leiter ist also geistlich überlebensnotwendig.

Das Krebsgeschwür der Sünde findet einen Eingang in unsere Seele, unseren Geist und unseren Körper durch die Lüge, die Unglauben, Rebellion, Misstrauen und Ungehorsam hervorruft. Die Lüge kann auch mit einem Virus verglichen werden, der von außen in unseren Körper dringt und uns von innen her zu schwächen und krank zu machen versucht. Oft verbreitet sich der Virus von Mensch zu Mensch, ebenso die Lüge, wie Paulus Titus in dem Andachtstext noch einmal verdeutlicht. Die Judaisten verbreiteten Fabeln und Gebote, die die Gläubigen verwirrten und das geistliche Immunsystem der Christen angriffen. So, wie das Virus der Lüge sich durch Menschen ausbreitet, so breitet sich auch die heilmachende Wahrheit durch Menschen aus, in denen der Geist Gottes wirkt. Diese gepredigte Wahrheit wiederum ruft gesunden Glauben hervor (Römer 10,10).

Geistliche Leiter sind Haushalter des Wortes Gottes und sie sind berufen, den Lügen dieser Welt mit der Zurechtweisung durch die Wahrheit entgegen zu stehen. Sie wirken dabei an der eigentlichen Aufgabe des Geistes mit und tragen das zweischneidige Schwert des Geistes, das alle üblen Wucherungen der Sünde abzuschneiden vermag. Auch wenn diese Zurechtweisungen für den Hörer zunächst unangenehm wirken mögen, sind sie doch notwendig und heilsam für Körper, Seele und Geist. Amen.


Autor: Robin J. Malloy

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